Alzey. Die Bevölkerung in Alzey reagierte auf die Ereignisse des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 in der DDR spontan mit Schweigemärschen und Kundgebungen zum Gedenken an die Opfer. Auf dem Wartberg wurde ein Mahnfeuer entzündet. In der DDR waren zwischen dem 16. und dem 21. Juni mehr als eine Million Menschen in über 700 Orten in den Streik getreten und hatten gegen das SED-Regime demonstriert. Die konkrete Erinnerung an den Volksaufstand rückte in Alzey im Jahr 1956 wieder ins öffentliche Bewusstsein. Am 14. Januar 1956 beantragte der „Gesamtverband der Sowjetzonenflüchtlinge“ die Umbenennung einer in Alzey liegenden Straße in „17. Juni 1953“. Die Umbenennung scheiterte jedoch am Widerstand von Geschäftsleuten. Als Ersatz wurde die Errichtung eines Gedenksteines auf einer Verkehrsinsel an der Mainzer Straße/ Bahnhofstraße angeregt. Im Rahmen des ersten Heimattreffens von Flüchtlingen aus der SBZ/DDR, die in Rheinland-Pfalz ihre neue Heimat gefunden hatten, wurde am 5. August 1956 der Gedenkstein mit der Inschrift „17. Juni 1953“ feierlich enthüllt. Alzey war eine der ersten Städte in der Bundesrepublik Deutschland, in der es ein Denkmal zur Erinnerung an den Volksaufstand in der DDR gab. Aus Anlass des Jahrestages des Volksaufstandes wurde 1957 zusätzlich eine Opferschale auf dem Gedenkstein errichtet.
Der Gedenkstein wurde nach der Vereinigung Deutschlands um das Datum „3. Oktober 1990“ ergänzt. Auf Initiative von Schülern des Gymnasiums am Römerkastell wurden im Jahre 2000 weitere Daten eingraviert. Die historischen Ereignisse des 9. November – Revolution, Pogrome, Mauerfall – werden erinnert, weshalb der Stein nun um die Daten „9. November 1918 1938 1989“ ergänzt wurde.
17. / Juni / 1953 // 3. / Oktober / 1990 // 9. / November / 1918 / 1938 / 1989
Alzey, Mainzer Straße/ Bahnhofstraße
Koblenz. Den Zusammenfluss von Mosel und Rhein, dem Deutschen Eck bei Koblenz, ziert seit dem 31. August 1897 ein monumentales Reiterstandbild von Kaiser Wilhelm I. Eingeweiht wurde das Denkmal in Erinnerung an den Sieg über die Armee Napoleons III. bei Sedan im September 1870. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Denkmal beschädigt und schließlich abgebaut. Am 18. Mai 1953 widmete Bundespräsident Theodor Heuss das nur noch aus dem Sockel bestehende Denkmal zu einem Mahnmal der Deutschen Einheit um. Dafür wurden im Umfeld die Wappen aller deutschen Länder und die der früheren Ostgebiete aufgestellt. Anlässlich des 37. Jahrestages des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 wurde 1990 die zentrale Gedenkfeier des Landes Rheinland-Pfalz am Deutschen Eck in Koblenz ausgerichtet. Der damalige DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière überließ der Stadt Koblenz am 17. Juni 1990 drei originale Berliner Mauerteile, die mit den Inschriften „17. Juni 1953“, „Den Opfern der Teilung“ und „9. November 1989“ versehen wurden. Bei der Umgestaltung des Platzes wurden die drei Mauerteile vertauscht, so dass die Inschriften nun in einer anderen Reihenfolge zu lesen sind. Am Tag der Deutschen Einheit, dem 3. Oktober 1990, schließlich wurden auf einer Tafel die Namen der neuen Bundesländer angebracht. 1993 wurde ein neues Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I. aufgestellt.
Auf Initiative von Elke und Thomas Schlegel wurde das Denkmal am 8. November 2018 um zwei Gedenktafeln zur Erinnerung an die Opfer der DDR-Diktatur und an die Friedliche Revolution erweitert. Finanziell unterstützt wurde das Projekt von den Initiatoren selbst sowie durch die damalige Ostbeauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke, und die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft e.V. (UOKG). Der Enthüllung der Gedenktafeln wohnten neben den Initiatoren der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU), Roland Jahn, der Oberbürgermeister der Stadt Koblenz, David Langner, sowie Dieter Dombrowski, der Bundesvorsitzende der UOKG, bei.
17. Juni 1953 // Den Opfern der Teilung // 9. November 1989
Koblenz, Deutsches Eck, Danziger Straße/ Adenauerufer, Peter-Altmeier-Ufer
Mainz. Auf den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR reagierten im rheinland-pfälzischen Mainz als erstes die Studenten. Am 18. Juni 1953 erklärte der Allgemeine Studentenausschuss an der Johann-Gutenberg-Universität seine Solidarität mit den Aufständischen. Er schickte ein Telegramm an den Deutschen Bundestag, den West-Berliner Senat und das Amt für gesamtdeutsche Studentenfragen. Darin hieß es, dass die Mainzer Studentenschaft „in Ehrfurcht der gefallenen Freiheitskämpfer“ gedenke und sich „mit der tapferen Bevölkerung der Sowjetzone solidarisch“ erkläre.
Am 29. Juni 1953 kam der Mainzer Stadtrat zu einer Sitzung zusammen. Bereits zu Beginn gab es einen Eklat, als sich die Mitglieder der kommunistischen Fraktion im Stadtrat beim Gedenken an die Opfer des 17. Juni der Schweigeminute verweigerten. Auf Antrag der SPD-Fraktion sollte an diesem Tag beschlossen werden, den bei dem Aufstand Verwundeten finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen. Zu einer heftigen Auseinandersetzung kam es als ein Abgeordneter der kommunistischen Fraktion erklärte, die Ereignisse in der DDR seien von einer gewissen Gruppe in West-Berlin organisiert worden, die in Zusammenhang mit dem Korea-Krieg stünde. Der Antrag zur Spende für die Opfer des 17. Juni wurde trotzdem mehrheitlich beschlossen. Die Abgeordneten der KPD stimmten gegen den Antrag.
Am 22. Januar 1959 beantragte die CDU-Fraktion im Stadtrat die Schaffung eines „Erinnerungshinweises an den deutschen Osten“. Die Union wollte damit auch auf das Chruschtschow-Ultimatum vom November 1958 reagierten, mit dem die Sowjetunion darauf drängte, West-Berlin zu einer selbständigen freien Stadt zu erklären. Der Architekt und Baurat im Mainzer Hochbauamt, Albert Karl Spelthahn, entwarf ein Denkmal und stellte im Juli 1960 seinen Entwurf eines dreifach gespaltenen Steinblocks vor, der die Dreiteilung Deutschlands symbolisieren sollte. Nach der Befürwortung durch den Bauausschuss kam es jedoch zunächst nicht zur Umsetzung. Erst die Ortsgruppe des Kuratoriums Unteilbares Deutschland griff 1961 den Plan wieder auf und sorgte dafür, dass der Auftrag zur Herstellung des Denkmals erteilt wurde. Am Abend des 16. Juni 1961 wurde anlässlich des Jahrestages des Volksaufstandes in der DDR das Denkmal feierlich eingeweiht. Der aus Beton gegossene rechteckige und dreifach gespaltene Quader mit dem Spruchband „Deutschland ist unteilbar“ sollte den Willen zur deutschen Einheit unterstreichen. Die Einweihungsfeier war begleitet durch zahlreiche weitere Aktionen wie Straßensammlungen zur Finanzierung des Denkmals, einer Ausstellung mit künstlerischen Arbeiten von Schülern zur deutschen Teilung sowie einer Foto-Ausstellung zum Aufbau Berlins. Nach der Feier gab es einen Schweigemarsch und ein Mahnfeuer. Eine Gruppe ostdeutscher Jugendlicher trug im Zug ein Modell des Brandenburger Tores.
Etwa 10 Jahre nach der Wiedervereinigung wurde am Mahnmal eine Informationsstele der Reihe „Historisches Mainz“ aufgestellt. Diese informiert die Besucher des Fischtorplatzes, dass die in der Bundesrepublik in den 1950er und 1960er Jahren formulierten Ansprüche an die ehemaligen Ostgebiete heute keine Gültigkeit mehr haben.
Deutschland ist unteilbar
Mainz, Fischtorplatz
Pirmasens. Auf Initiative des Verbandes der Sowjetzonenflüchtlinge wurde in der pfälzischen Stadt Pirmasens im Juni 1959 ein Gedenkstein zur Erinnerung an die Opfer des Volksaufstandes in der DDR am 17. Juni 1953 eingeweiht. Das Projekt wurde von der Stadt Pirmasens finanziell unterstützt. Anlässlich des Jahrestages des Volksaufstandes luden der Verband und die Stadt zu einem Schweigemarsch zur St. Pirminiuskirche ein, an dem Berichten zufolge mehr als 3 000 Bürgerinnen und Bürger teilnahmen. Im Rahmen der Gedenkveranstaltung übergab der Oberbürgermeister Jakob Schunk den Gedenkstein der Öffentlichkeit. Neben Schunk hielt auch der damalige Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Peter Altemeier, eine Rede, in der er betonte, dass „das deutsche Volk nicht froh und nicht zufrieden und nicht glücklich sein kann, solange sein Vaterhaus noch in zwei Teile aufgespalten ist.“
Der Gedenkstein befindet sich heute auf dem Schlossplatz an einer unauffälligen Stelle im Grünen. Die Inschrift des Gedenksteins, die auf den Volksaufstand verweist, ist umrahmt von sechs Landeswappen: Oberhalb der Inschrift auf der linken Seite befindet sich das Wappen Berlins, der Berliner Bär. Unterhalb der Inschrift sind die Wappen der Länder Brandenburg, Sachsen, Mecklenburg, Thüringen und Sachsen-Anhalt aufgereiht.
DEN / OPFERN DES 17. JUNI / 1953
Pirmasens, Auf dem Schlossplatz