Gegen alle Mauern – Zeitzeugeninterviews: „Chaos“ Jürgen Gutjahr

„Chaos“ Jürgen Gutjahr (*1964) wächst in Leipzig schon mit „infernalischem Lärm“ auf – die Wohnung liegt nur zehn Meter von den Gleisen eines Bahnhofs entfernt. Musik in den verbotenen westlichen Radiosendern zu hören bedeutet in seiner Kindheit schon früh ein Gefühl der Freiheit und einen Ausweg aus dem als grau empfundenen Alltag. 

1978 hört er seinen ersten Punk-Song und verfällt der Musik und Jugendkultur. Punk ist für ihn ein Weg, aus der „Diktatur der Langeweile“ auszubrechen. 1981 gründet er als „Chaos“ mit Freunden die legendäre Band „Wutanfall“, eine der ersten Punk-Bands der DDR. Das erste illegale Konzert wird eine Befreiung für die Jugendlichen. Als die Punkbewegung in Leipzig und andernorts immer größer wird, ruft das die Stasi auf den Plan. Sie versucht vergeblich „Chaos“ als inoffiziellen Mitarbeiter anzuwerben. Er wird unter immer stärkeren Druck gesetzt und sehr schwer misshandelt.