Gegen alle Mauern – Zeitzeugeninterviews: Dorothea Fischer

Dorothea Fischer (*1960) wird in Kahla/Thüringen in einer christlichen und dem Staat gegenüber kritisch eingestellten Familie groß. Da sie konfirmiert wird und nicht zur Jugendweihe geht, darf sie trotz eines Notendurchschnitts von 1,0 kein Abitur machen. Erste Zweifel kommen auf.

Die Selbstverbrennung von Pfarrer Oskar Brüsewitz 1976 ist ein Erweckungserlebnis für sie. Sie beschließt, die Dinge, die für sie in der DDR nicht in Ordnung sind, beim Namen zu nennen, um sie zu ändern. In Jena engagiert sie sich in der Jungen Gemeinde. Am 12. April 1981 stirbt ihr Freund Matthias Domaschk in Stasi-Haft. Der Tod schockiert und radikalisiert die Jugendliche. Die 20-jährige denkt: „Wenn man dafür sterben kann, in der Opposition zu sein und sich für ein besseres Leben einzusetzen, dann kann ich auch noch ein Stück weitergehen.“ 1982 gehört sie zu den Mitbegründerinnen der Friedensgemeinschaft Jena, die gegen den Staat und die allgegenwärtige Militarisierung in der DDR protestiert. Die Stasi beginnt darauf hin, die Gemeinschaft in der Aktion „Gegenschlag“ zu zerstören. Dorothea Fischer muss die DDR gegen ihren Willen verlassen.