Gegen alle Mauern – Zeitzeugeninterviews: Josephine Keßling

Josephine Keßling (*1962): „Wir konnten damals überhaupt nicht ahnen, dass die Mauer fällt. Hätte ich das geahnt, dass diese Möglichkeit überhaupt bestünde, hätte ich keinen Ausreiseantrag gestellt.“ Josephine Keßling wächst in Thüringen in bürgerlichen, traditionell geprägten Verhältnissen auf.

Im Schulunterricht stellt sie kritische Fragen und bekommt daraufhin Ärger. Trotz eines Notendurchschnitts von 1,7 wird ihr die Möglichkeit zum Abitur verweigert. Nach ihrem Umzug nach Halle/Saale im Jahr 1980 ist sie als medizinische Hilfskraft in einer Kinderpsychiatrie beschäftigt. Im gleichen Zeitraum beginnt ihr Engagement in der Jungen Gemeinde Halle-Neustadt. Sie will die Zustände in der DDR zum Besseren verändern. Die 18-Jährige ist u.a. aktiv in der Basisgruppe „Sozialer Friedensdienst“ und organisiert Friedensgebete. So gerät sie in das Visier der Stasi, wird Tag und Nacht überwacht und immer mehr unter Druck gesetzt. Es droht ihr Gefängnis. 1983 wird ihr zwei Jahre zuvor gestellter Ausreiseantrag in die Bundesrepublik genehmigt.