Im Sommer 1953 hofften die Gefangenen des sowjetischen Straflagers Workuta, dass sich ihre menschenunwürdige Lage bald ändern könnte. Am 5. März des Jahres war Stalin gestorben, am 26. Juni der gefürchtete Geheimdienstchef Lawrenti Beria wegen angeblicher Spionage verhaftet worden. Um ihren Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen, besserer Versorgung und einer Revision der gegen sie verhängten Urteile zu erreichen, traten die Gulag-Häftlinge im Juli 1953 in einen friedlichen Streik.

Nachdem die Leitung des Straflagers zunächst in Verhandlungen eingewilligt hatte, umstellten am Morgen des 1. August 1953 Truppen des Innenministeriums das Lager. Die Soldaten eröffneten das Feuer auf die unbewaffneten Häftlinge. Bei dem folgenden Massaker starben 64 Menschen, insgesamt wurden bei der Niederschlagung des Aufstandes 481 Menschen getötet.

Aus Interviews mit fünf ehemaligen Gulag-Häftlingen aus Deutschland, die den Aufstand der Lagerhäftlinge überlebten, hat der Historiker Meinhard Stark ein Dokumentar-Feature über die Ereignisse des Sommer 1953 in Workuta zusammengestellt. Horst Schüler, Heini Frische, Horst Hennig, Dietmar Bockel und Günther Kowalczyk berichten darin von den Lebens- und Arbeitsbedingungen im Gulag sowie von ihren traumatischen Erfahrungen infolge des blutig niedergeschlagenen Aufstands.  

Das Feature kann in unserer Mediathek angehört werden.

Die Interviews zu dem Feature entstanden im Rahmen eines umfangreichen Interviewprojekts von Meinhard Stark. Über mehrere Jahrzehnte hat er etwa 300 ehemalige Lagerhäftlinge bzw. deren Kinder in Russland, Polen, Kasachstan, Litauen und Deutschland interviewt. Im Rahmen eines von der Bundesstiftung geförderten Projektes der Abteilung für Osteuropäische Geschichte der Universität Bonn sind die über 1.200 Stunden umfassenden Gespräche sowie mehr als 46.000 Blatt schriftliche Unterlagen digitalisiert worden. 2015 hat unser Archiv die Interviews als Grundstock des Gulag-Zeitzeugenarchivs übernommen.