Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur trauert um Prof. Dr. Rita Süssmuth, die gestern im Alter von 88 Jahren verstorben ist.
Als Präsidentin des Deutschen Bundestages von 1988 bis 1998 bekleidete Rita Süssmuth das zweithöchste Amt im Staate in einer Zeit epochaler Umbrüche. Sie verlieh dem Parlament nicht nur während der Friedlichen Revolution und der Wiedervereinigung eine starke Stimme, sondern erkannte früh, dass die Deutsche Einheit ohne eine fundierte Auseinandersetzung mit der zweiten deutschen Diktatur unvollendet bleiben würde.
In ihre Amtszeit fiel die Einsetzung und Arbeit der beiden Enquete-Kommissionen des Deutschen Bundestages (1992 bis 1998), aus deren Empfehlungen unsere Stiftung hervorgegangen ist. Rita Süssmuth hat diesen Prozess nicht nur moderiert, sondern leidenschaftlich gefördert. Dass die Ergebnisse dieser Arbeit heute in umfassenden Dokumentationsbänden vorliegen, ist auch ihr Verdienst – sie sind ein papiernes Denkmal für ihren Willen zur Wahrheit und zur historischen Klarheit.
Wir verlieren mit ihr eine Gründungsmutter unserer Institution, die dem Thema der Aufarbeitung stets gewogen blieb und uns als kluge Ratgeberin begleitete. Wir werden ihr ein ehrendes und dankbares Andenken bewahren.
Interview Enquete-Kommission Rita Süssmuth – Bilanz (2019) auf YouTube ansehen