In der Nacht zum 21. August 1968 rollten sowjetische Panzer durch die Tschechoslowakei, mehr als eine halbe Million Soldaten sollten den „Prager Frühling“ beenden. Trotz des friedlichen Protests der Bevölkerung wurde die liberale Reformbewegung gewaltsam niedergeschlagen, mehr als einhundert Menschen kamen ums Leben. Der Generalsekretär der tschechoslowakischen Kommunisten Alexander Dubček, der mit seinem Versuch eines „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ die Freiheitsbewegung angestoßen hatte, war in Moskau unter Arrest.

Bereits Mitte der 1960er Jahre waren in der ČSSR Liberalisierungstendenzen spürbar, vor allem in der Kultur. Der Reformprozess erfasste die kommunistische Partei und bald die ganze Gesellschaft. Dubček beendete die Pressezensur und führte die Versammlungs- und Redefreiheit ein. Auch marktwirtschaftliche Ideen sollten in die sozialistische Planwirtschaft einfließen.

Im Ausland blieb der Reformprozess nicht unbemerkt. Die DDR-Regierung diskreditierte die Reformen und ging gegen Demonstrationen und Flugblätter mit Sympathiebekundungen vor. Doch sie konnte nicht verhindern, dass Teile der DDR-Bevölkerung Hoffnung schöpften und sich mit den Aufständischen solidarisierten. Die Erinnerung an den Prager Frühling blieb eine wichtige Grundlage für die späteren oppositionellen Bewegungen im kommunistischen Machtbereich.

Zum Gedenken an den Prager Frühling 1968 findet am 21. August um 18 Uhr in der Johanneskirche in Berlin-Schlachtensee eine Veranstaltung statt, bei der auch die Direktorin der Bundesstiftung Aufarbeitung Anna Kaminsky sprechen wird. Dabei wird ein bisher unveröffentlichter Bericht von Tamara Reiman vorgestellt, die im Sommer 1968 als Dolmetscherin bei Treffen zwischen dem sowjetischen und dem tschechoslowakischen Politbüro unter Leitung von Leonid Breschnew und Alexander Dubček teilnahm. Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier.

Im Online-Dossier „Prager Frühling 1968“ bietet die Bundesstiftung Aufarbeitung weitere Informationen zur Geschichte des gescheiterten Reformversuchs an. Neben Materialien zur Recherche und für die Bildungsarbeit findet sich dort eine Reihe interessanter Zeitzeugeninterviews. Die Publikation „Erinnerungsorte an die Niederschlagung des Prager Frühlings 1968“ dokumentiert die wichtigen Denk- und Mahnmäler, Grabstellen sowie Gedenktafeln und kann kostenlos heruntergeladen werden.

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