Seit 20 Jahren gilt der 17. November in Tschechien als Tag des Kampfes für Freiheit und Demokratie. Erinnert wird an dem Staatsfeiertag nicht nur an die Ereignisse, die den Beginn der Samtenen Revolution 1989 einläuteten, sondern auch an die Geschehnisse bei der Zwangsschließung der tschechoslowakischen Universitäten durch die deutschen Nationalsozialisten 1939.

Am 17. November 1989, gut eine Woche nach dem Fall der Berliner Mauer, versammeln sich in Prag tausende Studenten zu einer genehmigten Gedenkveranstaltung für den 1939 von den Nationalsozialisten ermordeten Widerstandskämpfer Jan Opletal sowie die über 1000 Studenten, die von der SS verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt worden waren. Nach dem Gedenkmarsch löst sich der Protestzug jedoch nicht auf, die Studenten ziehen weiter Richtung Wenzelsplatz. Ihre Forderung nach Freiheit und dem Ende der kommunistischen Herrschaft wird von der Polizei brutal niedergeschlagen.

Der Gewaltexzess gegen die friedliche Protestkundgebung mit fast 600 Verletzten führt zum endgültigen Stimmungsumschwung in der Bevölkerung, die massenweise für die Demonstranten Partei ergreift. Die hierdurch ausgelöste Samtene Revolution entwickelt von da an eine fast atemberaubende Geschwindigkeit: Am 19. November gründet sich unter Führung von Václav Havel das Bürgerforum. Fast zeitgleich formiert sich im slowakischen Landesteil die Partnervereinigung „Öffentlichkeit gegen Gewalt“. Bereits am nächsten Tag greifen die Proteste auf das ganze Land über, Hunderttausende Menschen demonstrieren nun gegen das kommunistische Regime. Unter dem Druck der Straße tritt am 24. November der gesamte Führungsstab der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei unter Führung des ersten Sekretärs Miloš Jakeš geschlossen zurück. Weil die Kommunistische Partei formell aber immer noch an die Regierungsmacht innehat, kommt es am 27. November zum Generalstreik. In der gesamten Tschechoslowakei legen die Bürgerinnen und Bürger die Arbeit nieder, fast 80 Prozent der Bevölkerung nehmen an dem landesweiten Ausstand teil.

Überall im Land finden Kundgebungen statt. Der Schlüsselbund avanciert dabei zum Zeichen des friedlichen Protests: Wer gegen die Regierung und ihre Polizeimethoden ist, rasselt demonstrativ mit den Schlüsseln und läutet damit symbolisch das Ende der kommunistischen Herrschaft ein. Ab dem 10. Dezember kommt es erstmals zu einer Regierungsbildung, bei der die Kommunistische Partei eine nachgeordnete Rolle spielt. Am 29. Dezember 1989 wählt das tschechoslowakische Parlament schließlich den ehemaligen Dissidenten Václav Havel zum Staatspräsidenten.

Weitere Informationen zur Samtenen Revolution sowie zur Geschichte der Opposition und Erinnerungskultur in Tschechien und der Slowakei finden sich in dem biografischen Lexikon „Widerstand und Opposition im Kommunismus 1945-91“ unter: www.dissidenten.eu