Die Ausbürgerung Wolf Biermanns aus der DDR am 16. November 1976 führte zu einer für das SED-Regime ungeahnten Protestwelle im ganzen Land. Neben vielen DDR-Bürgern solidarisierten sich bekannte Künstler, Schriftsteller und Intellektuelle mit dem Dichter und Liedermacher, der wegen seiner Kritik an den Machthabern in der DDR bereits seit 1965 mit einem Auftritts- und Publikationsverbot belegt worden war. „Die Ausbürgerung von Wolf Biermann aus der DDR machte im ganzen Land und international deutlich, dass die SED-Führung nicht bereit war, von ihrem dogmatischen Kurs abzuweichen. Der breite gesellschaftliche Protest dagegen wurde zu einer wichtigen Keimzelle der späteren Opposition in der DDR, die das Regime schließlich in der Friedlichen Revolution 1989 überwinden konnte“, sagte der stellvertretende Direktor der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Robert Grünbaum. In unserem Interview "Fünf Fragen an ..." spricht er ausführlicher über die Biermann-Ausbürgerung und ihre Folgen.

Der konkrete Anlass für Biermanns Ausbürgerung war ein Konzert am 13. November 1976, das er auf Einladung der westdeutschen IG Metall vor 7.000 Zuschauern in Köln spielte. Drei Tage später gab das SED-Politbüro bekannt, dass er nicht mehr in seine Heimat zurückkehren durfte. Am Tag danach strahlte der WDR das Konzert aus, am 19. November noch einmal die ARD. In einem offenen Brief an die DDR-Führung protestierten 13 bedeutende Künstler und Schriftsteller der DDR wie Stephan Hermlin, Christa Wolf, Stefan Heym oder Heiner Müller gegen die Zwangsmaßnahme, mehr als 100 weitere Prominente folgten dem Aufruf.

Rasch breitete sich eine Protestwelle in der gesamten DDR aus. Mit großer Zivilcourage wandten sich in viele, zumeist junge Menschen einzeln oder in Gruppen öffentlich gegen die Ausbürgerung. Sie wurden daraufhin vom Staat mit großer Härte verfolgt, es kam zu zahlreichen Verhaftungen. In den folgenden Jahren sahen sich namhafte Künstler und Schriftsteller wie Manfred Krug, Eva-Maria und Nina Hagen, Armin Müller-Stahl oder Erich Loest gezwungen, die DDR zu verlassen. Dennoch konnten die Machthaber nicht verhindern, dass die Proteste gegen die Biermann-Ausbürgerung zu einem wichtigen Impuls für die DDR-Oppositionsbewegung wurden.

Zum 45. Jahrestag der Ausbürgerung von Wolf Biermann hat die Bundesstiftung Aufarbeitung ein Themendossier auf ihrer Website veröffentlicht. Neben einem biografischen Abriss von Guntolf Herzberg und Ilko-Sascha Kowalczuk enthält es ein Kurzinterview mit dem Biermann-Experten Robert Grünbaum sowie zahlreiche zeithistorische Fotos zu Wolf Biermann und eine Sammlung weiterführender Materialien zum Thema.