Der Zusammenbruch der SED-Diktatur vor 15 Jahren ist nach wie vor eine erstaunliche Geschichte: Einer friedlichen Bürgerbewegung gelang es, einen stark bewaffneten Sicherheitsapparat zu entmachten. Aufgabe der Staatssicherheit als "Schild und Schwert der Partei" wäre es gewesen, solche Entwicklungen zu unterdrücken. Doch von einigen Ausnahmen wie Dresden und Berlin abgesehen, unterblieb offene Repression in den entscheidenden Wochen.

Das "Schild und Schwert der Partei" schien über Nacht brüchig und stumpf geworden zu sein. Die Aktionen zu den Kommunalwahlen im Mai 1989, die Massenflucht über die bundesrepublikanischen Botschaften, der Flüchtlingsstrom über Ungarn und schließlich die Demonstrationen, die sich von Leipzig aus zu einer Massenbewegung in der DDR entwickelten, zeigten einen ansteigenden Protest, dem der Apparat letztlich hilflos gegenüberstand.

Als Auftakt für eine Reihe von Veranstaltungen, die sich in diesem Jahr der friedlichen Revolution der DDR vor 15 Jahren widmen werden, wird den Fragen nachgegangen:

Welche Bedeutung hatte für diese Entwicklung die Gesamtkrise des Ostblockes? Wie wurde sie von der SED-Politbürokratie und der Staatssicherheit wahrgenommen? Was haben sie gegen die gesellschaftliche Mobilisierung unternommen und warum blieben sie letztlich erfolglos? Welche Diskussionen fanden innerhalb der Staatssicherheit statt und welche Folgen hatte dies für den friedlichen Verlauf der Revolution? Wie haben sich die repressiven Rahmenbedingungen im SED-Staat in der Wahrnehmung der Opposition im Verlauf des Jahres verändert? Welche Auswirkungen hatte dies auf die Bürgerrechtsbewegung?

Wissenschaftler referieren den Forschungsstand und diskutieren mit Akteuren von damals.

Programm

Begrüßung mit[list bullet][list]Joachim Goertz, Pfarrer der St. Bartholomäus Kirche[/list]
[list]Marianne Birthler, Die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen[/list]
[list]Rainer Eppelmann, MdB, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Aufarbeitung[/list][/list bullet]

Die Staatssicherheit im Revolutionsjahr 1989
Vortrag von Dr. Walter Süß, Fachbereichsleiter, BStU, Abteilung Bildung und Forschung

Podiumsdiskussion mit
[list bullet][list]Ruth Misselwitz, Pfarrerin in der Ev. Kirchgemeinde Alt-Pankow[/list]
[list]Dr. Ehrhart Neubert, Fachbereichsleiter, BStU, Abteilung Bildung und Forschung[/list]
[list]Reinhard Schult, DDR-Bürgerrechtler[/list]
[list]Dr. Walter Süß, Fachbereichsleiter, BStU, Abteilung Bildung und Forschung[/list][/list bullet]

Moderation: Dr. Ulrich Mählert, Stiftung Aufarbeitung

ZEIT: Donnerstag, 15.01.2004, 19-21 Uhr
ORT: Bartholomäus-Kirche, Friedenstraße 1, 10249 Berlin-Friedrichshain

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Berlin, 12. Januar 2004