Schon immer haben Menschen überall leidenschaftlich gespielt. Dies war auch hinter dem Eisernen Vorhang in den Jahrzehnten der europäischen Teilung nicht anders. Die staatliche Spieleproduktion im Ostblock war in unterschiedlichen Ausprägungen ein Instrument der Erziehungsdiktaturen, mit dem der »neue Mensch« geschaffen werden sollte. Zwar konnte die Staatsmacht Spielregeln für ein zweckdienliches Spiel festlegen, die dem Spiel immanenten Fantasieräume vermochte sie aber ebenso wenig zu kontrollieren, wie die Kreativität, die sich in unzähligen selbst entworfenen Spielen widerspiegelte.

Das Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2021 widmet sich in 18 Beiträgen den realsozialistischen Erziehungsversuchen und dem Eigensinn der spielenden Bürgerinnen und Bürger. Die Texte geben u.a. Auskunft über Spielkonzeptionen, Spielgemeinschaften, Herstellung und Verbreitung. Sie stellen Gelände-, Karten-, Brettspiele und nicht zuletzt die in den 1980er-Jahren immer populärer werdenden Computerspiele in den Mittelpunkt. Neben der staatlichen Spieleproduktion bildete sich eine Bastler- und DIY-Kultur heraus, vielfach inspiriert von westlichen Spielen. Hier wurden apolitische Fantasiewelten konstruiert oder harsche Kritik am herrschenden System geübt, wie einige Monopoly-Kopien oder sowjetische Eigenkreationen eindrücklich zeigen.

Das Jahrbuch präsentiert (vergleichende) Länderstudien über die Sowjetunion, die Tschechoslowakei, Polen, die DDR und Westdeutschland. Es dokumentiert damit die Beiträge zur 1. Hermann-Weber-Konferenz für Historische Kommunismusforschung in Berlin im Dezember 2019. Die Konferenz wurde von der Gerda-und-Hermann-Weber-Stiftung finanziert und von Juliane Brauer (Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, jetzt Stiftung Universität Hildesheim), Maren Röger (Universität Augsburg) sowie Sabine Stach (DHI Warschau, jetzt Mitarbeiterin des Leibniz-Instituts für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO)) in Kooperation mit dem Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung durchgeführt.

Das 1993 von Hermann Weber in Mannheim begründete und seit 2004 im Auftrag der Bundesstiftung Aufarbeitung herausgegebene Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung ist die wichtigste deutschsprachige Plattform der deutschen und internationalen historischen Kommunismusforschung.

Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2021, hrsg. von Juliane Brauer, Maren Röger und Sabine Stach (Gastherausgeberinnen der Ausgabe 2021) sowie Ulrich Mählert u. a. im Auftrag der Bundesstiftung Aufarbeitung, Berlin: Metropol Verlag 2021, 336 S., 56 Abb., ISBN: 978-3-86331-590-0, 29,- Euro. Ab 15. März 2021 im Buchhandel erhältlich.

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