Zweiter Vortrag in der Reihe  „Die überforderte Behörde. Neue Forschungen zur Treuhandanstalt“ von der Bundesstiftung Aufarbeitung und dem Institut für Zeitgeschichte

„Ich werde alles tun, dass dieses Chemie-Dreieck erhalten bleibt und weiter ausgebaut wird“, verspricht Bundeskanzler Helmut Kohl am 10. Mai 1991 auf einer öffentlichen Kundgebung in Schkopau. Einige Stunden darauf bewerfen ihn Demonstranten in Halle mit Eiern. Der Erhalt der Leunawerke sowie des VEB Minol ist von Anfang an umstritten und von Hoffnung und Enttäuschung geprägt.

Rainer Karlsch vom Institut für Zeitgeschichte München–Berlin zeichnet am 20. Juli anhand neuester Forschungsergebnisse den Privatisierungsprozess nach und zeigt, wer dabei die Fäden zog. Die millionenschwere Investition des französischen Mineralölkonzerns ELF in den Bau einer Raffinerie markiert dabei 1992 den Beginn einer schmutzigen Schmiergeldaffäre und einer aktiven, aber undurchsichtigen Strukturpolitik der Treuhand in Ostdeutschland. Das zwiespältige Ergebnis der „Leuna-Affäre“: Die Total Raffinerie Mitteldeutschland GmbH ist heute das umsatzstärkste Unternehmen in Sachsen-Anhalt und der Chemiepark Leuna einer der modernsten Industriestandorte in Europa.

In der achtteiligen Vortragsreihe „Die überforderte Behörde. Neue Forschungen zur Treuhandanstalt“ stellen die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und das Institut für Zeitgeschichte München–Berlin (IfZ) neueste Fallstudien und Querschnittsuntersuchungen zur Arbeit der Treuhandanstalt vor. Den nächsten Vortrag hält Christian Rau (IfZ) am 3. August über das Verhältnis von Gewerkschaften und Treuhand. Weitere Themen sind die Treuhand im politischen Spannungsfeld (Andreas Malycha, IfZ), Fallstudien zu deutsch-tschechischen Joint Ventures (Eva Schäffler, IfZ), das Personal der Treuhand (Marcus Böick, Ruhr-Universität Bochum), der Fall Carl Zeiss Jena (André Steiner, Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam) sowie die Privatisierung des DDR-Schiffsbaus (Eva Lütkemeyer, IfZ).

Aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie finden die Vorträge bis auf Weiteres ohne Publikum statt. Vorträge und anschließende Diskussionen werden jedoch live im Internet übertragen: www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/de/treuhand-live

Weitere Informationen zur Vortragsreihe finden Sie hier.

Vortrag von Rainer Karlsch: Das Kanzlerversprechen und die „Leuna-Affäre“

Montag, 20. Juli 2020, 18 Uhr

Livestream unter: www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/de/treuhand-live