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Öffentlicher Vortrag | Berlin
Ort der Veranstaltung

Forum Kunst und Markt/Centre for Art Market Studies
Raum A 111
Straße des 17. Juni 150/152
10623 Berlin

Am Ende des Jahres 1980 berichtete das Auktionshaus Christie’s in seinem jährlichen Review: “The somewhat sinister approaches to Checkpoint Charlie in Berlin would not normally be thought of as an avenue to the commercial fine art world, but it was in this direction – from West to East – that various members of Christie’s have been travelling during the last year.” In diesem Zitat spielt das Londoner Auktionshaus auf seine Geschäftsbeziehungen zur Ostberliner Kunst und Antiquitäten GmbH (KuA) an, die im Zeitraum von 1973 bis 1989 Kunstgegenstände und Antiquitäten zwecks Devisenbeschaffung im Westen verkaufte.

Nach bisherigem Forschungsstand schlossen die beiden Firmen zwischen 1979 und 1982 zehn Verträge im Umfang von 133 Posten miteinander ab. Der größte Teil des an das Auktionshaus gelieferten Sortiments bestand aus antiquarischem Mobiliar des 17. bis 19. Jahrhunderts. Den zweitgrößten Posten dieser KuA-Einlieferungen machten Gemälde aus dem 16. bis 20. Jahrhundert aus.

Im Vortrag wird zunächst der Frage nachgegangen, wie diese Geschäftsbeziehungen zwischen einem kapitalistischen und einem sozialistischen Land zu Zeiten des Kalten Krieges überhaupt möglich wurden: Wer nahm wann aus welchem Grund den Kontakt durch den sogenannten „Eisernen Vorhang“ hindurch auf und welche politisch-wirtschaftlichen Kontexte der 1970er und 1980er Jahre bildeten den Rahmen für diese Handelsbeziehungen?

Im Anschluss werden die Geschäftspraktiken und die an diesem Kunsthandel zwischen der KuA und Christie’s beteiligten Netzwerke dargelegt. Anhand zweier Beispiele – der Versteigerungen der Kunstgegenstände aus der konfiszierten Sammlung Dr. Peter Garckes und der vier Gemälde aus dem ehemaligen Bestand der Nationalgalerie – sollen zudem die Beschaffungskontexte der durch die KuA an Christie’s gelieferten Antiquitäten sowie der Umgang des Auktionshauses mit deren Provenienzen veranschaulicht werden.

Xenia Schiemann studierte Germanistik und Anglistik an der Orenburger Staatlichen Pädagogischen Universität, Kunst- und Bildgeschichte sowie Italianistik an der Humboldt-Universität zu Berlin sowie Kunstwissenschaft an der University of Edinburgh und der Technischen Universität Berlin. An letzterer schloss sie 2019 ihr Masterstudium mit einer Arbeit zum „Kunsthandel zwischen Ost und West zu Zeiten des Kalten Krieges: Die Kunst und Antiquitäten GmbH der DDR und das Londoner Auktionshaus Christie’s“ ab. Von 2017 bis 2019 hat sie als studentische Hilfskraft am Forum Kunst und Markt / Centre for Art Market Studies der TU Berlin mitgewirkt. Seit 2020 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet Kunstgeschichte der Moderne der TU Berlin und forscht zu den Geschäftsbeziehungen zwischen der Kunst und Antiquitäten GmbH der DDR und den westlichen Auktionshäusern.

Veranstalter
Institut für Kunstwissenschaft und Historische Urbanistik
Fachgebiet Kunstgeschichte der Moderne
Technische Universität Berlin
Thema
Kultur
Kontakt

Dorothee Wimmer TU Berlin

Straße des 17. Juni 150/152

10623 Berlin

dorothee.wimmer@tu-berlin.de