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Workshop | Berlin
Ort der Veranstaltung

Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Kronenstraße 5
10117 Berlin

Gedenkstätten an ehemaligen Haftorten können sowohl faszinieren als auch überwältigen. Jedenfalls wirken sie oftmals emotionalisierend auf Besucherinnen und Besucher, für die sie als Projektionsflächen dienen, die häufig mit sehr individuellen (nicht unbedingt den historischen Tatsachen entsprechenden) Vorstellungen verbunden sind. Denn die Besucherinnen und Besucher kommen mit Vorannahmen; sie haben gefestigte Bilder im Kopf und bringen eine spezifische und individuelle Erwartungshaltung mit. Diese wird beeinflusst durch ihr allgemeines Vorwissen, Medien und manchmal auch familiären Erzählungen (z.B. von Hafterfahrungen). Der historische Ort wird in diesem Fall als authentischer Ort der ehemaligen Haftanstalt interpretiert, ohne die Veränderungen und die Nachnutzung zu berücksichtigen. Das wirft die Frage auf: Wie kann es trotz der starken Wirkung des Ortes und der individuellen Vorannahmen der Besucherinnen und Besucher gelingen, ein differenziertes Bild über die DDR zu vermitteln?

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Gedenkstätten stehen vor der Herausforderung, einerseits die Geschichte des jeweiligen Haftortes zu präsentieren und in den historischen Kontext einzubetten. Andererseits bleibt ihnen für ein vertieftes Eintauchen in die komplexen Themen des jeweiligen Ortes kaum ausreichend Zeit. Der Fokus des Angebots liegt häufig auf Kurzeitformaten, wie zum Beispiel klassischen Führungen.

Doch wie können Führungen es leisten, dass sich die die Besucherinnen und Besucher, sich einen Überblick verschaffen, ein eigenes Bild über die Geschichte entwickeln und eigene Urteile bilden können? Wie viel didaktische Reduktion ist erlaubt? Inwieweit ist es möglich, in der pädagogischen Arbeit ein differenziertes Bild zu vermitteln? Wie fließen die Erwartungen der Besucherinnen und Besucher in die Bildungs- und Vermittlungsarbeit mit ein? Wie kann das Thema „Emotionen“ von der Bildungsarbeit aufgenommen werden? Welche Instrumente sind wichtig, um „Emotionen“ und professionelle Distanz auszubalancieren, damit den Besucherinnen und Besuchern Raum für historisches Lernen bleibt? Wie kann vor diesem Hintergrund ein multiperspektivisches Angebot entstehen, das auf aktuellen Forschungsergebnissen beruht und zugleich ansprechend ist? Wie können Wissenschaft und Pädagogik gewinnbringend zusammenarbeiten bzw. wie kann der Austausch gestaltet werden?

Der Workshop möchte Wissenschaftlerinnen bzw. Wissenschaftler und Gedenkstättenpädagoginnen und -pädagogen zusammenbringen und mit ihnen über die skizzierten Fragen, über Kriterien für historisches Lernen am außerschulischen Lernort sowie über aktuelle Forschungsschwerpunkte diskutieren.

Programm
10:15 Uhr: Begrüßung

Amélie zu Eulenburg und Birgit Marzinka

Impulsvorträge und Diskussion

Moderation Katharina Hochmuth

10:30 Uhr Vortrag (ca. 30 Minuten + kurze Verständnisfragen)

Kathrin Klausmeier (Universität Leipzig)
Besucher/-innen im Fokus. Was heißt Besucherorientierung an Gedenkstätten?

11:00 Uhr Vortrag: (ca. 30 Minuten + kurze Verständnisfragen)

Christian Halbrock (freiberuflicher Historiker)
Eine Forschungsperspektive auf die Haftorte. Authentischer Ort, Erwartungen, Fakten.

11:30 – 12:30 Uhr: Diskussion (Moderation Irmgard Zündorf)
12:30 – 13:30 Uhr: Mittagspause
13:30 – 15:30 Uhr: Fishbowl: Wie weiter in der Vermittlungsarbeit? (Moderation Birgit Marzinka)
  • Elke Stadelmann-Wenz (Gedenkstätte Hohenschönhausen)
  • Susanne Schäffner-Krohn (Gedenkstätte Brandenburg-Görden)
  • Lisa Shekel (Lehrkraft Refik-Veseli-Schule Berlin) angefragt
  • Axel Janowitz (Stasi-Unterlagen-Archiv)
  • Jens Gieseke (Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung)
Abschluss ca. 15.30 Uhr
Anmeldung

Bitte melden Sie sich über das Anmeldeformular zur Veranstaltung an oder per E-Mail an workshop@keibelstrasse.de

Veranstalter
Bundesstiftung Aufarbeitung
Lernort Keibelstraße
Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam
Thema
Museen und Gedenkstätten