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Tagung | Berlin
Ort der Veranstaltung

Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Kronenstraße 5
10117 Berlin

Die Geschichte der Sinti in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR ist weitgehend unerforscht. Die wenigen Überlebenden des nationalsozialistischen Völkermords, die nach 1945 dauerhaft im Osten Deutschlands lebten, sahen sich trotz des politischen Neuanfangs mit weiterbestehenden antiziganistischen Strukturen konfrontiert. In Verwaltung, Polizei und Justiz wirkten personelle und ideologische Kontinuitäten aus der NS-Zeit fort: Von den DDR-Behörden diskriminiert und kriminalisiert, wurden viele Sinti nicht als Opfer des Nationalsozialismus anerkannt und blieben von Entschädigungen ausgeschlossen. 

Die Geschichte ihrer Verfolgung, aber auch die Kultur und Traditionen der Community blieben weitgehend unbekannt. In der Gesellschaft hielten sich zudem tief verwurzelte Stereotype, die den Alltag der Sinti in der DDR prägten und ihre soziale wie kulturelle Teilhabe einschränkten. Mit dem Ende der deutschen Teilung fanden getrennte Familien und ihre unterschiedlichen Erfahrungen zusammen; zugleich sahen und sehen Sinti und Roma sich seit 1989/90 alten und neuen Formen der Diskriminierung gegenüber.  

Die Tagung widmet sich diesem komplexen Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte und fragt nach den fortbestehenden Diskriminierungsmechanismen, die die Lebenswirklichkeiten von Sinti in der DDR sowie von Sinti und Roma im vereinten Deutschland bestimmten. Im Fokus stehen die vielfältigen Erfahrungen der Minderheit im Erzählen ihrer Geschichte(n) sowie ein geweiteter Blick auf historisch-politische Bildungsarbeit zu Formen sozialer Marginalisierung und kultureller Selbstbehauptung. 

Ziel der Veranstaltung ist es, die Geschichte der Sinti und Roma, ihre Erinnerungen und Erfahrungen einem Fachpublikum aus der historisch-politischen Bildungsarbeit zugänglich zu machen und Räume für Austausch und Vernetzung zu eröffnen. Die Tagung richtet sich an Engagierte aus Selbstvertretungsorganisationen sowie aus Museen, Gedenkstätten, Vereinen, Initiativen, Bildungs- und Kultureinrichtungen, die sich mit der Geschichte der DDR, der Teilung und Einheit Deutschlands auseinandersetzen.

Programm
  • 10:00 Begrüßung                                                                                    
  • 10:15 Interaktives Kennenlernen
  • 10:45 „Sinti und Roma in der DDR und nach 1989“ – Dr. Katharina Lenski, Friedrich-Schiller-Universität Jena
  • 11:15 Kaffeepause
  • 11:30 Podiumsdiskussion „Zwischen Ausgrenzung und Selbstbehauptung: Kontinuitäten von Antiziganismus und Wege der Selbstvertretung seit 1945“ mit:
    • Talina Connolly, Bildungsbotschafterin gegen Antiziganismus, Studierendenverband der Sinti und Roma in Deutschland
    • Dr. Katharina Lenski
    • Peter Leu, Pfarrer i.R. Evangelische Verheißungskirchengemeinde Neuenhagen-Dahlwitz
    • Gjulner Sejdi, Vorsitzender von Romano Sumnal – Roma und Sinti in Sachsen e. V.

      Moderation: Dr. Jenny Baumann & Dr. Christine Schoenmakers, Bundesstiftung Aufarbeitung
       
  • 13:00 Mittagsimbiss
  • 13:45 World Café „Bildungsperspektiven: Empowerment, diskriminierungssensible Vermittlung und transkulturelles Erzählen“
    1. Thema: Sabina thaj o Elvis (Sabina und Elvis). Ein Leipziger Kurzfilmprojekt als Empowerment für die Community und als Bildungselement für die Mehrheitsgesellschaft – Daniel Weißbrodt, Romano Sumnal – Roma und Sinti in Sachsen e. V.
    2. Thema: Diskriminierungssensible Vermittlung und Zeitzeugenarbeit am Beispiel einer Ausstellung zum Paragrafen 249 des DDR-Strafgesetzbuchs – Dr. Eva Fuchslocher, exhibeo e.V. & Dr. Peter Keup, UOKG e. V.
    3. Thema: Vielstimmige Erinnerung vermitteln: Chancen und Grenzen transkultureller DDR-Geschichte – Minar Quayim, Gedenkstätte Lindenstraße Potsdam
  • 15:30 Zusammenfassung der World Café-Ergebnisse
  • 15:45 Closing Statement
  • 16:00 Ende der Tagung
Weitere Informationen
Anmeldung

Die Teilnahme ist kostenfrei. Da es sich um eine Präsenzveranstaltung handelt, ist die Teilnehmerzahl begrenzt. Bitte melden Sie sich über unser Formular an. Die Anmeldungen werden in der Reihenfolge ihres Eingangs berücksichtigt.

Barrierefreiheit

Die Veranstaltung findet in deutscher Lautsprache statt. Leider steht für die Tagung kein Livestream zur Verfügung. Weitere Informationen finden Sie unter: www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/barrierefreie-veranstaltungen

Anfahrt

Es stehen vor Ort nur wenige Parkplätze zur Verfügung. Für die Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln können Sie die U-Bahnlinien 2 und 6 oder die Buslinien 200 und 265 (Haltestelle Stadtmitte, Aufzug vorhanden) nutzen.
 

Veranstalter
Bundesstiftung Aufarbeitung
Kontakt

Benötigen Sie Unterstützung, um an der Veranstaltung teilnehmen zu können oder haben Sie Fragen? Dann melden Sie sich bitte telefonisch oder per E-Mail bei Dr. Christine Schoenmakers:  

Telefon: 030 319895-238

E-Mail: c.schoenmakers@bundesstiftung-aufarbeitung.de