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Filmpräsentation | Leipzig
Ort der Veranstaltung

Cinémathèque Leipzig
Karl-Liebknecht-Straße 46
04275 Leipzig

Aus Anlass des 30 Jahrestages der Deutschen Einheit veranstaltet das Hannah-Arendt-Institut die Filmreihe „Nach dem Jubel". Das Programm rückt die gesellschaftlichen Umbrüche in den frühen 1990er Jahren in den Mittelpunkt. Zwischen Aufbruchstimmung, Resignation und permanenten Veränderungen erscheint diese Phase als eine Zeit voller Widersprüche. Hoffnungen und Enttäuschen gingen Hand in Hand. Die Folgen der Wiedervereinigung, die aktuell wieder verstärkt im Fokus der Öffentlichkeit stehen, wurden von Regisseurinnen und Regisseuren schon damals kritisch reflektiert. Skeptische und verhaltene Blicke standen im Vordergrund. Nach dem Jubel, so scheint es, überwog vor allem im Osten die Ernüchterung. Aber auch in Komödien und Genrefilme spiegeln sich die gesellschaftlichen Veränderungen wider. Verschiedene Dokumentarfilme bieten einen ungefilterten Blick auf Probleme wie Massenarbeitslosigkeit und Rechtsradikalismus.

Die Filme der Reihe ermöglichen mit unterschiedlichen filmischen Mitteln Einlicke in die damaligen Lebenswelten. Sie werfen zugleich wichtige Fragen auf, die bis in die Gegenwart reichen: Welche Rolle spielte die filmische Inszenierung des Ostens im gesamtdeutschen Diskurs? Wurden damals bereits Stereotype geprägt, die bis heute nachwirken? Im Gespräch mit dem Publikum und den Filmemachern sollen diese und andere Fragen im Anschluss an die Filme diskutiert werden.

Ostkreuz
Deutschland 1991, Spielfilm, Regie: Michael Klier, 83 Minuten

Einführung: Andreas Kötzing

Berlin, 1989. Die Mauer ist weg, doch an ihrer Stelle zieht sich eine Narbe durch die Stadt. Neubauruinen, Brachen, ein Niemandsland zwischen Ost und West. Hier lebt die 15-jährige Elfie mit ihrer Mutter in einem Containerlager. Noch vor dem Mauerfall sind die beiden über Ungarn in den Westen gekommen. Nun ist die Mutter arbeitslos und für eine Wohnung fehlen mehrere tausend Mark Kaution. Mit Kleingaunereien versucht Elfie, Geld aufzutreiben, um sich aus der desolaten Lage zu befreien. Aber Michael Kliers Bild der Stadt ist in so triste, feindselige Farblosigkeit getaucht, dass es wenig Grund zur Hoffnung gibt.

Veranstalter
Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V.