Humboldt Forum
Schloßplatz
10178 Berlin
Der Berliner Palast der Republik ist abgerissen, auch andere DDR-Bauten gibt es nicht mehr. Wieder andere Orte mit DDR-Vergangenheit befinden sich im Umbruch oder Aufbruch. Auf dem gemeinsamen Symposium „Gefährlich gefährdet“ warfen die Stiftung Humboldt Forum und die Bundesstiftung Aufarbeitung einen Blick in die Zukunft: Wie können wir DDR-Orte neu deuten und gestalten, um sie – und damit unseren Umgang mit Diktaturgeschichte – zukunftsfähig zu machen?
Veranstaltungsrückblick
Das Symposium brachte am 13. und 14. Februar 2025 im Humboldt Forum über dreißig Projekte und Orte aus allen ostdeutschen Bundesländern zusammen. Ihnen gemein ist, dass sie – wie viele Orte mit DDR-Geschichte – ihre ursprüngliche Nutzung verloren haben, neu genutzt werden oder die künftige Nutzung noch ungeklärt ist. Im Zentrum des Symposiums stand die Frage, wie die Orte hinsichtlich gegenwärtiger gesellschaftlicher Erwartungen und Bedürfnisse neu gedeutet und gestaltet werden können. Ziel war es, unterschiedliche Akteure miteinander ins Gespräch zu bringen und Netzwerke zu knüpfen.
Die Teilnehmenden – Vertreterinnen und Vertreter aus Bürgergesellschaft, Politik, Forschung, Denkmalpflege, Museen und Gedenkstätten – stellten Orte vor, die so vielfältig wie im Wandel befindlich sind: vom ehemaligen Industriekomplex bis zur etablierten Gedenkstätte, vom Kulturpalast in der Provinz bis zur leerstehenden Schule. Im Mittelpunkt stand der Austausch über Transformation, Erinnerung und Zukunftsperspektiven.
Dabei stand der Veranstaltungsort Humboldt Forum selbst als Sinnbild für das Spannungsfeld zwischen Geschichte und Neugestaltung. Das Symposium sensibilisierte für die historiografischen, erinnerungskulturellen, ideellen, emotionalen und architektonischen Werte von DDR-Orten im Jahr 2025 und eröffnete neue Denkansätze: Wie gehen wir mit „belasteten“ Orten um? Welche Rolle spielen individuelle Erfahrungen, Wahrnehmungen und Emotionen? Wie lassen sich Erinnerung und Transformation zusammenbringen?
In einer öffentlichen Podiumsdiskussion am Abend des ersten Symposiumstags diskutieren die Schriftstellerin Charlotte Gneuß, der Kulturpolitiker Klaus Lederer, die Berliner Denkmalpflegerin, Kunsthistorikerin und Hochschullehrerin Gabriele Dolff-Bonekämper sowie die Osteuropa-Korrespondentin Edda Schlager mit der Journalistin Shelly Kupferberg über Gefährdungen und Gefahren von DDR-Orten und unserem Umgang mit ihnen.
In fünf Arbeitsgruppen stellten sich insgesamt 33 Orte vor, kamen uns Gespräch und vernetzten sich. Gemeinsam mit Impulsgeberinnen und Impulsgebern aus Kunst, Kultur, Gesellschaft und Wissenschaft wurde zu folgenden Themen gearbeitet:
- Transformation und Aneignung (Impuls: Eter Hachmann, Dachverband der Migrant*innenorganisationen in Ostdeutschland/ DaMOst)
- Beteiligung und Aktion (Impuls: Constanze Kleiner, Künstlerin und Galeristin)
- Erinnerung und Raum (Impuls: Elske Rosenfeld, Autorin und Künstlerin)
- Mythos und Emotion (Impuls: Dr. Hanno Hochmuth, Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam)
- Wert und Zukunft (Impuls: Jan Stassen, Museum für Werte)
In der Abschlussdiskussion des Symposiums, die von Dr. Jenny Baumann (Bundesstiftung Aufarbeitung) moderiert wurde, stellten die Impulsgeberinnen und Impulsgeber die Ergebnisse der Arbeitsgruppen vor. Sie sprachen sich einhellig für die Schaffung eines institutionellen Netzwerkes aus, das sich u. a. mit den Fragen beschäftigt, wo wir Erinnerung verorten, wie wir diese gestalten und wer diese verantwortet.
Zeichnerisch begleitet und visuell dokumentiert wurden die Gespräche und Diskussionen während des Symposiums durch die Zeichnerinnen Johanna Benz und Tiziana Beck von graphicrecording.cool.
Den Tagungsbericht bei H-Soz-Kult finden Sie über den Link rechts oben.
Zum Hintergrund
Im Sommer 2024 veröffentlichten die Stiftung Humboldt Forum und die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur einen „Open Call“ für ein Symposium zu Orten mit DDR-Geschichte. Aus über fünfzig Einsendungen sind 33 Projekte aus allen ostdeutschen Bundesländern beim Symposium am 13./14. Februar 2025 im Humboldt Forum dabei. Vertreterinnen und Vertreter aus Bürgergesellschaft, Kommunal- und Landespolitik, freier Wirtschaft, Forschung, Denkmalpflege, Museen und Gedenkstätten stellen Orte vor, die eine Transformation vollzogen haben, künftig neue Formen annehmen werden oder deren Bestand aktuell gefährdet ist. Wir haben Denkerinnen und Macher eingeladen, die Gespräche zu inspirieren und zu begleiten, um neue Gedanken und Formen der Zusammenarbeit zu befördern.
Das Symposium zielt auf eine multiperspektivische Wahrnehmung von Orten mit DDR-Geschichte, die Vernetzung von Akteuren, Inspirationen für zukünftige Debatten sowie eine Sensibilisierung und Sichtbarkeit für das Thema. Wir verbinden den Blick nach vorn mit dem Blick zurück: Auf welche Weise sind Orte „belastet“? Worin besteht der (ideelle, emotionale, künstlerische, architektonische, materielle) Wert eines „Erinnerungsortes“ trotz oder wegen seiner Historie? Welche Rolle spielen persönlichen Wahrnehmungen, Erinnerungen und Emotionen? Wie passen Erinnerung und Transformation zusammen?
Bundesstiftung Aufarbeitung
Dr. Jenny Baumann
Tel.: 030 31 98 95-313
E-Mail: j.baumann@bundesstiftung-aufarbeitung.de
Stiftung Humboldt Forum
Dr. Judith Prokasky
Tel.: 030 265 950 580
Mobil: 0151 14 00 46 46
E-Mail: judith.prokasky@humboldtforum.org