„Wir müssen prüfen, wie weit wir noch Mittel freimachen können, damit Leipzig in Ordnung kommt. In Karl-Marx-Stadt ist alles wegradiert worden. Niemand hindert uns, Luft zu schaffen.“ (Paul Fröhlich, SED-Politbüro) 
Am 30. Mai 1968 wurde gegen den Protest vieler Leipziger, verschiedener Institutionen sowie Personen aus dem In- und Ausland die Leipziger Universitätskirche St. Pauli gesprengt. Die im Jahre 1240 geweihte Klosterkirche war eine der ältesten Universitätskirchen Deutschlands und in ihrer kunsthistorischen Ausstattung die reichste Kirche in Leipzig. Sie diente der universitären Ausbildung. Konzerte von hohem künstlerischem Wert fanden hier statt. Nicht zuletzt war sie ein Magnet für viele Touristen. 
Unbeeindruckt von dieser Tradition sowie der kulturellen und gesellschaftlichen Rolle des Gebäudes, hat die SED in einem Akt der Willkür ihre Doktrin von der „sozialistischen Neugestaltung“ der Städte in der DDR umgesetzt. 

„Man traf sich in Leipzig, in Prag oder in Berlin mit Leuten, die Kontakt hatten mit der Kommune I und II und die etwas wussten über freie Liebe. Die aber auch etwas wussten über Arbeiterpriester in Frankreich oder Geheimpriester in der Tschechoslowakei, Basissozialismus, antiautoritäre Erziehung. Das kriegten wir alles gratis serviert.“ (Christof Tannert, Jg. 1946) 
Das Jahr 1968 ist als ein Jahr des Aufbruchs und der Hoffnung in das gesamtdeutsche Gedächtnis eingegangen. Die Proteste gegen die Sprengung der Universitätskirche bilden dabei einen lebensgeschichtlichen Zusammenhang mit den Jugendbewegungen in Westeuropa und Amerika, dem Prager Frühling und dem Volksentscheid über eine neue DDR-Verfassung, in der die SED ihren Führungsanspruch vom Volk hat legitimieren lassen. 

„Irgendeiner hat gesagt, man müsste Plakate malen. Man müsste was machen. Da war eine Wut im Bauch. Da haben wir das so vage gesagt und keiner von uns vier hat sich getraut zu sagen: nein, machen wir nicht.“ (Johannes Schlenkrich, Jg. 1951) 
Vierzehn Zeitzeugen erzählen ihre Geschichte. Es entsteht ein Stimmungsbild, das sowohl die Erinnerung lebendig macht, als auch den Betrachter die Möglichkeit bietet, seine eigenen Erfahrungen reflektieren zu können. Es werden Momente der Zivilcourage bis zum offenen Widerstand verdeutlicht.

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