#08 Arbeitslosigkeit

Mit der deutschen Einheit 1990 vollzogen sich weitreichende wirtschaftliche Veränderungen in Ostdeutschland. Wegen der Umstellung von der Plan- zur Marktwirtschaft mussten viele Betriebe schließen, ostdeutsche Produkte verloren ihren Absatzmarkt, Geschäfte konnten sich nicht gegen die starke Konkurrenz aus dem Westen durchsetzen. In der Folge stieg die Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland in den frühen 1990er-Jahren dramatisch an: In der Industrie verloren über zwei Drittel der Angestellten ihren Job. Vierzig Prozent aller Beschäftigten in Ostdeutschland waren bis 1996 mindestens einmal arbeitslos – Frauen noch häufiger als Männer. Viele Menschen zogen auf der Suche nach Arbeit in den Westen. Was im Großen als „Strukturwandel“ bezeichnet werden kann, hatte im Kleinen für den Einzelnen oft schwere Einschnitte in die eigene Biographie und die persönliche Lebensplanung zur Folge. Berufswechsel, Umschulungen oder Frühverrentung betrafen sogar drei Viertel aller ostdeutschen Beschäftigten. Die mit dem Strukturwandel verbundene Unsicherheit machte vielen Menschen zu schaffen und beeinflusste noch ihr späteres Leben. Viele schämten sich zudem dafür, arbeitslos zu sein oder Sozialleistungen vom Staat zu erhalten, auch wenn sie nichts für den Verlust ihrer Arbeit konnten. Erst seit 2005 sinken die Arbeitslosenzahlen in Ostdeutschland. 2018 lagen sie nur noch zwei Prozentpunkte über denen in Westdeutschland.

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Die Ausstellung Umbruch Ost. Lebenswelten im Wandel wirft Schlaglichter auf die Zeit nach dem 3. Oktober 1990. Sie erinnert auch an Verlusterfahrungen und Ängste, die mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch und dem Anstieg der Arbeitslosigkeit einhergingen und die 1990er-Jahre in Ostdeutschland prägten.