#09 Besserwessi

Mit der Vereinigung von Bundesrepublik und DDR wuchsen nach und nach auch zwei Bevölkerungen wieder zusammen, die über 40 Jahre in zwei unterschiedlichen Staaten gelebt hatten. Zwar waren Besuche, Reisen und medialer Ausstauch in sehr begrenztem Maße möglich gewesen, es entwickelten sich aber dennoch gesellschaftliche Spezifika in Ost und West. Die zwischenmenschlichen Begegnungen waren deshalb nach 1989/90 nicht immer ganz einfach, trafen doch teils sehr verschiedene Mentalitäten, kulturelle Gewohnheiten und Umgangsformen aufeinander. Dies führte auch zu Missverständnissen und verletzten Gefühlen. Deutlich zeigt sich das an zwei Zuschreibungen, die in dieser Zeit für die Menschen aus dem jeweils anderen Landesteil entstanden: „Besserwessi“ und „Jammerossi“. Der „Besserwessi“ wurde 1991 sogar zum Wort des Jahres gewählt. Im Duden ist er definiert als „Person, die aus den alten Bundesländern stammt und sich gegenüber Bewohner[inne]n der neuen Bundesländer besonders in Bezug auf den politischen und wirtschaftlichen Bereich besserwisserisch und belehrend verhält.“ Als Gegenstück entstand die Bezeichnung „Jammerossi“, um die negative Einstellung mancher Ostdeutscher zur Einheit, ihren Folgen und Ergebnissen zu parodieren. Diese Spottbezeichnungen gilt es, heute als Klischees und Karikaturen einzuordnen, die aus einer für viele Menschen sehr emotionalen Phase des Um- und Aufbruchs stammen.

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