Kurzbeschreibung

Wie politisch die Sportgeschichte ist, lässt sich an einigen Beispielen des Fußballs in der Nachkriegszeit in Deutschland darstellen. Die Fußballgeschichte dieser Zeit ist von den Schlagworten "Abgrenzung, Konkurrenz und Verflechtung" gekennzeichnet. Der Sport diente im Ost-West-Konflikt als eine Art politischer Stellvertreterkrieg. So war die eigenständige Olympiateilnahme für die DDR eine Möglichkeit, sich der staatlichen Anerkennung in der internationalen Völkergemeinschaft zu versichern. Mit dem Sport sollte die angebliche Überlegenheit des Sozialismus demonstriert werden.
Die deutsche Teilung hatte nicht nur ihre Auswirkungen dadurch gezeigt, dass nun zwei deutsche Nationalmannschaften gegeneinander im Fußball spielten, dass erst eine gemeinsame, dann später getrennte Olympiadelegationen antraten - der Mauerbau als sichtbare Form der deutsche Teilung führt auch dazu, dass DDR-Bürger einfach nicht mehr zu ihrer Lieblingsfußball-Mannschaft im Westen fahren durften. Schon vor dem Mauerbau ließen es sich Tausende DDR-Sportfans nicht nehmen, für westliche Vereine zu schwärmen. Diese Begeisterung der Bevölkerung war der SED-Führung ein Dorn im Auge, genauso wie in den Westen strebende Sportler. 
Mit fünf vorgeschlagenen Unterrichtssequenzen soll in diese Problematik eingeführt werden. So geht es um den "Hammer-Zirkel-Streit" beim Spiel des ASK Vorwärts gegen Hertha BSC im Jahre 1960. Ab 1959 trat die DDR bei internationalen und deutsch-deutschen Sportbegegnungen mit dem DDR-Staatsemblem Hammer und Zirkel im Ährenkranz auf den Trikot auf, um damit die Souveränität als eigenständiger deutscher Staat zu demonstrieren. In der Bundesrepublik wurde dagegen das Zeigen der DDR-Symbole als Störung der öffentlichen Ordnung behandelt. Auch in West-Berlin sollte die DDR-Fahne nicht gezeigt werden dürfen. Die Empörung war groß, als der West-Berliner Verein Hertha BSC es bei einem Fußballspiel gegen ASK Vorwärts zuließ, dass die Ost-Berliner Spieler mit dem DDR-Emblem aufliefen.
Eine zweite Unterrichtssequenz greift die Problematik von Gewalttätigkeiten am Rande von Fußballspielen auf. Fanszenen sowohl in Ost als auch in West glitten teilweise in kriminelle Handlungen ab - wozu Angriffe auf Passanten und Vandalismus gehörten. Hinzu kamen rechtsradikale Pöbeleien. In der Unterrichtssequenz soll auch analysiert werden, inwiefern es sich um kriminelle Aktivitäten handelte oder eine politische Motivation dahinter steckte.
In einer dritten Unterrichtseinheit stehen die Fluchten der Fußballer Helmut Schön und Lutz Eigendorf aus der DDR in die Bundesrepublik im Mittelpunkt. Der Dresdner Fußballer Helmut Schön war bereits im Frühjahr 1950 über die offene Grenze in den Westen gegangen. Ein Großteil seiner Mannschaft sowie Angehörige folgten Helmut Schön, der auch Spielertrainer der DDR-Auswahl war. 29 Jahre später flüchtete mit Lutz Eigendorf ein Spieler des BFC Dynamo bei einem Freundschaftsspiel in Kaiserslautern. Eigendorf wurde im Westen von der Staatssicherheit weiter beobachtet und starb 1983 unter ungeklärten Umständen bei einem Autounfall.
Die vierte Unterrichtssequenz beschäftigt sich mit Ost-Berliner Mitgliedschaften beim West-Berliner Fußballverein Hertha BSC. Wie konnte der Kontakt nach der Teilung der Stadt gehalten werden - und wie blieb die Verbundenheit über Jahrzehnte so stark, sind Fragen dieser Unterrichtseinheit.
In der letzten Unterrichtssequenz werden die Fußballweltmeisterschaften 1954, 1974, 1990 und 2006 thematisiert. 1954 war die Bundesrepublik erstmals Fußball-Weltmeister geworden. Die Weltmeisterschaft 1974 stand durch das Aufeinandertreffen der bundesdeutschen und der DDR-Nationalmannschaft im Licht der deutschen Teilung - und im Jahr der Deutschen Einheit 1990 wurde die Bundesrepublik erneut Fußball-Weltmeister.

Didaktische Aufbereitung

In dem Heft werden eine fachdidaktische Konzeption aufgestellt und verschiedene ausgearbeitete Unterrichtssequenzen empfohlen. Die Unterrichtssequenzen haben einen einführenden als "Basaltext" bezeichneten Text, schlagen zu jeder einzelnen Unterrichtseinheit eine didaktische Zugangsweise und die methodische Umsetzung vor und beinhalten Text- und Bild-Quellen und Arbeitsblätter mit Arbeitsaufträgen.

Herausgeber/Institution
Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg/Cultus e. V./Zentrum deutsche Sportgeschichte/Bundesstiftung Aufarbeitung
Bibliographische Angabe
René Wiese/Jörg Ziegenhagen (Hrsg.): Deutschland - einig Fußballland? Deutsche Geschichte nach 1949 im Zeichen des Fußballs. Fachdidaktische Handreichung zur politisch-historischen Urteilsbildung. Herausgegeben von Cultus e. V., Zentrum deutsche Sportgeschichte, Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Berlin 2008
Bezugsmöglichkeit
Cultus e.V.: http://cultusev.de
Preis
15,00EUR
Verwendbar für Klassenstufe
5-10
5-9
5
6
7
8
9
10
11-13
11
12
13
9-12
9-13
10-13
5-13
Verwendbar im Unterrichtsfach/in den Unterrichtsfächern
Geschichte
Sport
Material behandelt folgende(s) Jahrzehnt(e)
1950er
1960er
1970er
1980er
1990er
2000er