Kurzbeschreibung

Nach offiziellem Sprachgebrauch gab es keine politischen Häftlinge in der DDR. Dennoch waren im Laufe der Geschichte der DDR mehrere Hunderttausend Menschen aus politischen Gründen vom SED-Staat in Haft genommen worden. Die Staatssicherheit unterhielt dafür eigene Untersuchungshaftanstalten. Wer die Staatssführung oder die DDR kritisierte, einen Ausreiseantrag stellte oder sogar einen Fluchtversuch unternahm, wurde zum Staatsfeind erklärt. Tausende, die in politischer Haft in der DDR waren, wurden von der Bundesrepublik Deutschland freigekauft und durften somit das Land verlassen. Politische Häftlinge, die nicht von der Bundesrepublik freigekauft werden konnten, standen nach einer Entlassung unter der besonderen Beobachtung durch die Staatssicherheit. Die ehemaligen Häftlinge blieben in der DDR von vielen Berufen und Funktionen ausgeschlossen.
Im Strafvollzug wurden politische Häftlinge häufig Opfer von Misshandlungen durch das Wachpersonal. Sie wurden oft über Jahre in Isolationshaft festgehalten.
Der Dokumentarfilm auf der DVD stellt die Schicksale von drei Familien dar. So wurde Anne Gollin 1982 wegen "Verbreitung von Hetzliteratur" verhaftet. Utz Rachowski war 1979 unter dem Vorwurf "staatsfeindlicher Hetze" festgenommen worden. Ebenfalls 1979 wurden Tine und Matthias Storck verhaftet. Ihnen warf die Stasi "landesverräterische Agententätigkeit" vor. Sie mussten zwei Jahre und acht Monate hinter Gittern. Alle vier waren zum Zeitpunkt der Verhaftung zwischen 20 und 25 Jahre alt. In dem Dokumentarfilm kommen sie zu Wort und erzählen ihre Geschichten der Verfolgung durch die Staatssicherheit, die Zersetzungsmaßnahmen und die Folgen. Es werden jedoch auch ihre Kinder interviewt, die durch das Schicksal ihrer Eltern geprägt wurden - durch Trennung, Repression und Sippenhaft. Häufig konnten die Betroffenen über Jahrzehnte lang nicht über ihr Schicksal reden - auch nicht gegenüber ihren Kindern.

Didaktische Aufbereitung

Auf der DVD sind von paedigi (Pädagogik digital) erstellte didaktische Begleitmaterialien für die Sekundarstufe I und II enthalten. Die Module sind für unterschiedliche Längen gestaltet und ermöglichen anhand von Filmausschnitten Unterrichtseinheiten zu den Themen Ministerium für Staatssicherheit, Zersetzungsmaßnahmen, Literatur in der DDR, Generationenproblematik und die Bedeutung der Kirche. Ein ausführlicher Dokumentenanhang kann in den Unterricht einbezogen werden. Zu den einzelnen Modulen werden Aufgabenstellungen formuliert, die sich auf Filmausschnitte bzw. die Dokumente im Anhang beziehen. Neben Arbeitsaufträgen werden auf Vorschläge für Diskussionsfragen im Gruppengespräch, Forschungsaufträge und Rollenspiele unterbreitet. Für den Deutschunterricht besonders interessant sind die Abschnitte zur von den im Film zu Wort kommenden früheren Häftlingen in der DDR und ihre Form der Verarbeitung in Gedichten und anderen Texten. In Form einer Lerntheke werden diverse mögliche Aufgabenstellungen zusammengefasst, aus denen sich Schüler einzelne auswählen und in Gruppenarbeit ausführen können. Zudem wird ein Modul vorgeschlagen, in dem die Schüler selbst Aufgaben entwickeln. Schließlich gibt es einen Vorschlag, wie im Rahmen von Projekttagen ein solcher Film mit den Schülern behandelt werden kann.

Herausgeber/Institution
paedigi (Pädagogik digital) und Bundesstiftung Aufarbeitung
Bibliographische Angabe
Jeder schweigt von etwas Anderem. Drei Staatsfeinde, ihre Familien und das Erbe der Stasi. Regie: Marc Bauder, Dörte Franke, Dokumentarfilm Deutschland 2006, Laufzeit: 72 Minuten
Technische Hinweise
Die der DVD beiliegenden Arbeitsmaterialien sind im PDF-Format gestaltet und lassen sich nur über einen PC/MAC mit DVD-Laufwerk nutzen.
Bezugsmöglichkeit
Buchhandel
Preis
10,00EUR
Verwendbar für Klassenstufe
5-10
11-13
Verwendbar im Unterrichtsfach/in den Unterrichtsfächern
Geschichte
Deutsch
Evangelische Religionslehre
Katholische Religionslehre
Politik
Kunst
Ethik
Informationstechnische Grundbildung
Psychologie
Material behandelt folgende(s) Jahrzehnt(e)
1970er
1980er