Soldaten stehen in Formation
© Bundesstiftung Aufarbeitung, Jürgen Nagel, Bild 2186_034

Anlässlich des 1. Mai-Feiertages beschrieb das „Neue Deutschland“, das offizielle Organ der SED, den festlichen Umzug des Jahres 1987 mit folgenden Worten:

„Wie lebendig die revolutionären Traditionen in unserem Heute sind,
wurde einmal mehr offenbar. Hunderte roter Banner mit den Bildnissen von
Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, von Ernst Thälmann und Wilhelm
Pieck waren inmitten des Marschblocks zu sehen. Eine Schalmeienkapelle
in der Uniform des Roten Frontkämpferbundes ließ Erinnerungen an
die standhafte Kommunistische Partei Deutschlands wach werden. Erich
Honecker grüßte mit erhobener Faust. […] Zum Abschluss marschierten
Hundertschaften der Kampfgruppen vorbei, demonstrierten ihre Bereitschaft,
die sozialistischen Errungenschaften zu schützen.“

(„Berlin an diesem 1. Mai“, in: Neues Deutschland vom 2./3. 5. 1987, S. 3.)

Was dieser Artikel in markigen Worten und kämpferischen Bildern, noch zu Zeiten von Gorbatschows  „Perestroika“, zum Ausdruck brachte – das Selbstverständnis eines klassenbewussten und kampfentschlossenen „Arbeiter- und Bauern-Staates“ –, sollte sich auf charakteristische Art und Weise in den Kampfgruppen der Arbeiterklasse verkörpert finden. Diese bildeten jedes Jahr den Höhepunkt solcher „Kampfdemonstrationen“, wie die SED ihre propagandistischen Inszenierungen nannte.

Vollständiger Aufsatz

Interview mit dem Autor

Tilmann Siebeneichner

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