In ihr künstlerisches Forschungsprojekt fließen Erzählungen von Menschen ein, die mit Personen aus dem jeweils anderen Land in engem Kontakt standen. Das Ziel der Untersuchung ist die Rückbindung der Archivfunde und der persönlichen Lebensgeschichten an die Verflechtungen der politischen Systeme in Syrien und der DDR ab den 1950ern bis Ende der 80er Jahre. Die beiden Autorinnen beleuchten in ihrer Arbeit in den Archiven und bei den Gesprächen mit Zeitzeug*innen insbesondere die damaligen Student*innen-Austäusche zwischen Syrien und der DDR, die Zusammenarbeit der Geheimdienste (welche in jüngerer Zeit größere Aufmerksamkeit in der Forschung erfährt) und die ideologische Nähe der beiden Diktaturen.
Ihre Herangehensweise im Projekt ist eine künstlerisch-dokumentarische, die Einzelfälle betrachtet und ihr Augenmerk sowohl auf die vielschichtigen Wirkungen diktatorischer Gewalt als auch auf die subtilen Formen und Mittel des Protests richtet. Personengruppen von Interesse sind dabei damalige Studierende, Wissenschaftler*innen, Diplomat*innen sowie Liebespaare, die zu jener Zeit in Syrien und/oder der DDR lebten. Ihre Ergebnisse werden Dima Albitar Kalaji und Annett Gröschner in Interviews, Essays, Fotos und einem Podcast ab Mitte Juni auf der Webseite www.lebendiges-archiv.jetzt vorstellen.
Ein weiterer Schwerpunkt im Projekt ist neben der Arbeit in den Archiven und den Gesprächen mit Zeitzeug*innen die Vermittlung dieser künstlerisch- dokumentarischen Untersuchungsweise an Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren mit und ohne Migrationsgeschichte. Das Ziel der Autor*innen ist es, gemeinsam mit den Schüler*innen zu erarbeiten, wie man themenbezogen in einem Archiv recherchieren kann, Interviews mit Zeitzeug*innen führt und abschließend zwei Folgen für einen Podcast produziert, der dann die Ergebnisse der Projektarbeit präsentiert "Offene Ohren, lebendiges Archiv: der junge Podcast".
„Lebendiges Archiv – Umgang mit Diktatur“ ist ein Nachfolgeprojekt von „Geruch der Diktatur“, ein Projekt, das Dima Albitar Kalaji und Annett Gröschner bereits 2021 initiierten. Es wird gefördert durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.
Der Vermittlungsteil „Offene Ohren, lebendiges Archiv: der junge Podcast“ im Projekt entsteht in Kooperation mit der Stiftung Genshagen.