Zeitzeugen

Über 300.000 Kinder wurden in der DDR in verschiedenen Heimen und Werkhöfen erzogen. Die Erziehung zur „sozialistischen Persönlichkeit“ war geprägt von militärischem Drill, Gewalt und Willkür. Viele der Kinder wurden als politisches Druckmittel aus ihren Familien gerissen. Einige von ihnen, die im Zeitzeugenportal der Bundesstiftung Aufarbeitung zu finden sind, werden im Folgenden kurz vorgestellt. Über ihr Profil können sie direkt kontaktiert und für Veranstaltungen eingeladen werden. Außerdem finden Sie dort weitere Zeitzeugenberichte zum Anhören, Anschauen und Nachlesen.

Rainer Buchwald

Jahrgang 1950, Berlin: Rainer Buchwald verbrachte seine Kindheit bei seinen Großeltern in Berlin-Friedrichshagen. Ihnen wurde vorgeworfen, ihn nicht zu einer „sozialistischen Persönlichkeit“ zu erziehen. Als 12-Jähriger kam er in das Spezialkinderheim Sigrön. Nach drei Jahren wurde er entlassen, aber nach einem verweigerten Anwerbeversuch der Stasi in das Arbeits- und Erziehungslager Rüdersdorf gebracht.

Link zum Profil im Zeitzeugenportal

Dietmar Rummel

Jahrgang 1952, Leipzig: Dietmar Rummel verbrachte einen Großteil seiner Kindheit und Jugend in staatlichen Heimen. Seine freiheitliche Lebensweise brachte ihm immer wieder Probleme mit den DDR-Behörden ein. Erst 20 Jahre nach dem Mauerfall begann Dietmar Rummel damit, seine Erfahrungen aufzuarbeiten.

Link zum Profil im Zeitzeugenportal

Cornelia Zoels

Jahrgang 1964, Brandenburg a.d. Havel: Cornelia Zoels` Familie geriet u.a. durch Ausreisepläne ins Visier der Stasi. Als der Fluchtversuch ihrer Eltern missglückte, wurde Cornelia Zoels ins Heim gebracht. Dadurch blieben ihr das Abitur, eine Sportlerkarriere und ein Lehramtsstudium in der DDR verwehrt.

Link zum Profil im Zeitzeugenportal

Stefan Lauter

Stefan LauterJahrgang 1967, Berlin: Stefan Lauter wurde mit 15 Jahren wegen Problemen in Familie und Schule in eine Jugendhilfe-Einrichtung gebracht. Dort widersetzte er sich der staatlichen Erziehungspolitik und schloss sich der Punk-Szene an. Nachdem er durch Prügeleien auffällig wurde, kam er zunächst in eine Jugendhaftanstalt und ab 1984 in die Jugendwerkhöfe Freital und Torgau. Stefan Lauter war nach 1989 am Aufbau der Gedenkstätte Jugendwerkhof Torgau beteiligt.

Link zum Profil im Zeitzeugenportal

Regina Labahn

Jahrgang 1951, Krumin: Nach Jahrelanger Schikane durch DDR-Behörden beantragte die Familie 1980 die Ausreise. Daraufhin wurde ihr Mann verhaftet und ihre zwei Kinder wurden in einem Heim untergebracht. Regina Labahn wollte mit dem dritten Kind fliehen, wurde aber an die Stasi verraten. Nach mehreren Inhaftierungen durfte das Ehepaar die DDR 1986 verlassen. Eine Tochter folgte 1987, die beiden Söhne sah die Familie erst nach 1989 wieder.

Link zum Profil im Zeitzeugenportal

Ralf Weber

Jahrgang 1955, Burg: Der Vater von Ralf Weber floh in den Westen und zahlte keinen Unterhalt. Aus diesem Grund musste seine Mutter täglich sehr lange arbeiten. Ralf Weber wurde im Alter von sechs Jahren von der DDR-Jugendhilfe ins Heim gebracht. 1972 gelang es seiner Mutter, ihn aus dem Heim zu holen. Aber kurz darauf wurde er wegen „Staatsverleumdung“ und „Widerstand“ für 20 Monate in eine Jungendhaftanstalt gesteckt. Nach 1989 engagierte Ralf Weber sich in der Aufklärung über die Zustände in DDR-Heimen.

Link zum Profil im Zeitzeugenportal

Angelika Polat

Polat Jahrgang 1953, Leipzig: Angelika Polat wuchs in Leipzig auf, besuchte dort die Schule und schloss ihre Ausbildung ab. Sie heiratete und bekam einen Sohn und eine Tochter. 1987 geriet sie ins Visier der DDR-Jugendhilfe, nachdem ihr erster Mann, von dem sie getrennt lebte, sie denunziert hatte. Die Kinder aus der ersten Ehe gingen zum Vater und den Großeltern, die Tochter aus der zweiten Ehe wurde in ein Heim gebracht und ein Jahr später gegen den Willen der Mutter adoptiert.

Link zum Profil im Zeitzeugenportal

Kerstin Gueffroy

Gueffroy Jahrgang 1967, Berlin: Die Kindheit von Kerstin Gueffroy war von Aufenthalten in verschiedenen Erziehungseinrichtungen der DDR geprägt. Bereits mit sieben Jahren verbrachte sie ein dreiviertel Jahr in einer psychiatrischen Einrichtung. 1981 wurde sie von ihrer Mutter, die sich an das Jugendamt gewendet hatte, in einem Spezialkinderheim untergebracht und schließlich zur Adoption freigegeben.

Link zum Profil im Zeitzeugenportal

Falko Vogt

Jahrgang 1962, Fürstenwalde: Falko Vogt wuchs im brandenburgischen Fürstenwalde auf. Seine alleinstehende Mutter war mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert. Mit 13 Jahren wurde Falko Vogt in das Spezialkinderheim Groß Leuthen und anschließend in den Jugendwerkhof "August Bebel" in Burg gebracht. Als er 18 Jahre alt war, versuchte er, in den Westen zu fliehen. Dabei wurde seine gute Freundin Marienetta Jirkowsky tödlich von den DDR-Grenzern getroffen. Ihr Freund und Falko Vogt schafften es über die Grenzsperren.

Link zum Profil im Zeitzeugenportal

Alexander Latotzky

Latotzky Jahrgang 1948, Berlin: Alexander Latotzky kam 1948 im Speziallager in Bautzen zur Welt. Von dort brachte man ihn und seine Mutter in das Speziallager Sachsenhausen und schließlich nach Hoheneck. Die Behörden trennten Mutter und Sohn und Alexander Latotzky verbrachte die nächsten sieben Jahre in verschiedenen Kinderheimen. Als er 1954 zu einer Familie kam, befürchtete die Mutter, ihr Kind endgültig zu verlieren. Damit es wieder ins Heim kam, willigte sie in die Mitarbeit für das MfS ein. 1956 wurde sie aus der Haft entlassen und mit einem Spionageauftrag nach West-Berlin geschickt. Der Sohn blieb dagegen als „Faustpfand“ in der DDR und durfte ihr erst 1957 folgen.

Link zum Profil im Zeitzeugenportal