Internationale Kommunismusforschung

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Die Tschechoslowakei 1945/48 bis 1989

Die Tschechoslowakei 1945/48 bis 1989

Studien zu kommunistischer Herrschaft und Repression

Hrsg. v. Pavel Žácek, Bernd Faulenbach, Ulrich Mählert, Leipziger Universitätsverlag 2008, ISBN 978-3865832641
Im Buchhandel für 29,00 Euro erhältlich.


Der 40. Jahrestag des „Prager Frühlings“ lenkt zu Recht beträchtliche Aufmerksamkeit auf diesen Knotenpunkt europäischer Entwicklung. Denn auf dem Kontinent kulminierten damals Prozesse, die so intensiv wie seit 1945 nicht mehr Weichenstellungen künftiger gesellschaftlicher Entwicklungen gleichkamen. Im östlichen Europa ging es dabei um weit mehr als einfache Systemkosmetik; aufgeworfen war die Frage, ob es qualitative Veränderungen innerhalb des spätstalinistisch geprägten Sozialismus geben könne. Das Ende ist bekannt: Noch einmal zermahlten die Panzer der Truppen des Warschauer Vertrages solche Hoffnungen...

Es zählt nun zu den erstaunlichen Entwicklungen europäischer Nachkriegsgeschichte, daß sich diese Zuspitzungen gerade in jenem Land am heftigsten zutrugen, das als untadliger Verbündeter der Sowjetunion galt und ihr seit 1948 die vielleicht engste Gefolgschaft leistete. Wie ist das zu erklären? Damit gewinnen auch Fragen der Machtausübung und -sicherung und hier nicht zuletzt jene nach dem Repressionsapparat beträchtliches Gewicht.

Der vorliegende Sammelband, der vom Institut für das Studium der totalitären Regime, Prag, und der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Berlin, gemeinsam herausgegeben wird, wendet sich diesem Ausschnitt der tschechoslowakischen Geschichte zu und darf angesichts der Forschungssituation damit bei einer Reihe von Untersuchungssujets den Rang von Pionierleistungen beanspruchen. Denn die Forschung ist aus durchaus einsichtigen Gründen in diesem Bereich bislang nur mühsam vorangeschritten, nicht selten haben der Erschließung aller Quellen auch außerwissenschaftliche Momente entgegengestanden. Umsomehr können die auf ein breites Publikum abgestimmten Aufsätze zur Innenpolitik der KPTsch, zu Genese und Entwicklung der tschechoslowakischen Staatssicherheit, zur installierten und sich schnell ausbreitenden Kontroll- und Unterdrückungsmaschinerie in ihren verschiedenen Facetten – von der Ausschaltung konkurrierender Eliten bis hin zur Eigenpropaganda, vom Auf- und Ausbau eines rigiden Grenz- und Überwachungsregimes, vom Strafvollzug bis zur systematischen Bespitzelung, von der Agententätigkeit in anderen Staaten bis zu den Bemühungen, ausländischen Medien die Wirkung zu entziehen – auf die Aufmerksamkeit des Lesers hoffen. Zu den so noch nicht gelesenen Kapiteln tschechoslowakischer Geschichte zählen etwa die massiven Anwerbungen ehemaliger Nazis und Kriegsverbrecher durch den kommunistischen Geheimdienst, aber auch die Verfolgung und nicht zuletzt häufig Tötung jener Menschen, die die Staatsgrenze in Richtung Westen zu überwinden versuchten.

Dieses Buch versteht sich als ein Anfang, nennt auch die vielen Desiderate der Forschung, die noch zu verzeichnen sind. Es eröffnet aber dabei zahlreiche weitere Forschungsperspektiven, in Sonderheit jene einer heute so nützlichen grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der historiographischen Erschließung der Geschichte der ehemals staatssozialistischen Länder.

Im Buchhandel erhältlich.