Interviews zum Gefängnispfarrer H.-J. Mund

Im Rahmen eines von der Bundesstiftung Aufarbeitung geförderten Projekts wurden im Jahr 2014 unter der Leitung von Prof. Dr. Veronika Albrecht-Birkner (Universität Siegen) in Kooperation mit Eulefilm, Dr. Sabine und Johannes Eckelmann (Diera-Zehren) zwanzig Zeitzeugen zur Tätigkeit von Hans-Joachim Mund (1914-1986) in den 1950er Jahren interviewt. Mund war als SED-Mitglied und beim Innenministerium angestellter VP-Kommandeur von 1950 bis 1959 evangelischer Seelsorger in den politischen Strafvollzügen der DDR, so dass in den Interviews vielfach Hafterfahrungen überhaupt zur Sprache kommen.

Das aufbereitete Interviewmaterial im Umfang von ca. 24 Stunden gibt Einblicke in das Leben Munds als eine vielschichtige und umstrittene Persönlichkeit. Dabei geht v.a. um seine Seelsorgetätigkeit im Gelben Elend in Bautzen, wo er u.a. einen Chor ins Leben rief, deren damalige Mitglieder bis heute sehr positive Erinnerungen an Mund verbindet. In den Blick kommen aber auch seine Tätigkeit als Pfarrer in Bayern nach 1959, seine spezifischen hochkirchlichen Interessen und nicht zuletzt sein privates Leben. Anhand der Interviewaufzeichnungen lässt sich u.a. diskutieren, wie Lebenswege von Menschen in der DDR, die sich aus christlicher Motivation dazu aufgefordert sahen, mit dem sozialistischen Staat als potentiell evangeliumsgemäßerer Gesellschaftsform aktiv zu kooperieren, im Nachhinein zu beurteilen sind.