Journalistenfahrt: Schauplätze des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 in Berlin

Zum 60. Jahrestag des Volksaufstandes in der DDR vom 17. Juni 1953 organisierte die Bundesstiftung Aufarbeitung am 24. Mai 2013 eine Journalistenfahrt zu zentralen historischen Schauplätzen in Berlin. Dabei schilderten namhafte Persönlichkeiten und Zeitzeugen ihre Erinnerungen an die dramatischen Tage im Sommer 1953, unter ihnen der damalige RIAS-Chefredakteur Egon Bahr und Rechtsanwalt Dr. Günter Kröber aus Leipzig, der nach dem Volksaufstand die Verteidigung zahlreicher Angeklagter übernommen hatte. Mit Dr. Jens Schöne, stellvertretender Berliner Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen, konnte zudem einer der profiliertesten Historiker zu diesem Thema gewonnen werden.

Die Rundfahrt begann an der ehemaligen Stalinallee, auf deren Baustelle im Juni 1953 die ersten Arbeiter in den Streik traten. Insgesamt beteiligten sich bis zum 21. Juni 1953 mehr als eine Million Menschen in etwa 700 Städten und Gemeinden der DDR an Streiks, Demonstrationen und Kundgebungen. Weitere Stationen, an denen wichtige Ereignisse und Entwicklungen nachvollzogen wurden, waren das ehemalige RIAS-Funkhaus, das damalige „Haus der Ministerien“ und heutige Bundesfinanzministerium und das ehemalige Polizeigefängnis in der Keibelstraße am Alexanderplatz.

Die Veranstaltung wurde von der Bundesstiftung Aufarbeitung mit freundlicher Unterstützung des Berliner Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH, dem Bundesministerium der Finanzen, dem Café Sibylle, Deutschlandradio und der Robert-Havemann-Gesellschaft realisiert.

Zum Nachhören

Das Gespräch zwischen Prof. Egon Bahr und Peter Lange können Sie hier anhören.

Station 1: Brennpunkt Stalinallee

Die Journalistenfahrt begann in der Karl-Marx-Allee, ehemals Stalinallee. Auf der Großbaustelle Stalinallee/Krankenhaus Friedrichshain traten die Bauarbeiter bereits am 15. Juni 1953 in den Streik, am 16. Juni zog ein Demonstrationszug von den Baustellen durch die Innenstadt bis zum Haus der Ministerien.
Nach Begrüßung und thematischer Einführung berichteten die Zeitzeugen Klaus Gronau und Günter Döhring von den Ereignissen im Juni 1953.

 

Station 2: Das ehemalige RIAS-Funkhaus

Die zweite Station führte zum ehemaligen RIAS-Funkhaus am Hans-Rosenthal-Platz, heute Sitz des Deutschlandradio Funkhauses Berlin. Beim Podiumsgespräch mit Prof. Egon Bahr ging es um die Rolle des RIAS bei der Ausbreitung des Volksaufstandes und dessen Wahrnehmung in West-Berlin und der Bundesrepublik.

 

Station 3: Das ehemalige "Haus der Ministerien"

Am 16. Juni 1953 zogen Zehntausende vor das Haus der Ministerien und verlangten die Rücknahme der Normenerhöhung. Bald schon wurden Rufe nach freien Wahlen, Absetzung der Regierung und Wiedervereinigung laut.
Der historische Ort ist heute Sitz des Bundesfinanzministeriums. Die Journalistinnen und Journalisten hatten Gelegenheit, sich die Open-Air-Ausstellung "Wir wollen freie Menschen sein!" anzuschauen sowie Fotos und O-Töne der Zeitzeugen einzufangen. Im Euro-Saal des BMF fand anschließend ein Podiumsgespräch statt.

 

Station 4: Das ehemalige Untersuchungsgefängnis in der Keibelstraße

Die vierte Station der Journalistenfahrt war die ehemalige Untersuchungshaftanstalt in der Keibelstraße. Dort gab es ein Zeitzeugengespräch zum Themenkomplex "Verfolgung der Aufständischen, Schauprozesse und ihre Konsequenzen".