Der Kommunismus: Utopie und Wirklichkeit

2017 jährt sich die russische Oktoberrevolution zum 100. Mal. Mit der gewaltsamen Machtübernahme der Bolschewiki wurde die kommunistische Ideologie erstmals in einem Land zur Grundlage von Regierung, Gesetzgebung und Rechtsprechung gemacht. In den folgenden Jahrzehnten haben Kommunisten in verschiedenster Weise die Weltgeschichte mitgeprägt – nicht zuletzt mit ihren Diktaturen in Europa und Asien, aber auch Afrika und Süd- sowie Mittelamerika. Die Geschichte des Kommunismus prägt Deutschland und Europa bis in die Gegenwart. Das Bild des „Kommunismus“ in der Gesellschaft ist jedoch weiterhin diffus. Die Bandbreite der Deutungen reicht vom Verdikt, der Kommunismus sei eine verbrecherische Ideologie, mit mehr als 100 Millionen Todesopfern weltweit, bis hin zur Lossprechung des Kommunismus von den in seinem Namen begangenen Verbrechen, um in ihm weiterhin den Weg zu einer gerechteren Gesellschaft zu sehen. Vorherrschend ist jedoch letztlich Unwissen und auch Desinteresse. Der 100. Jahrestag der Oktoberrevolution sollte daher Anlass sein, um sich intensiver mit der Geschichte des Kommunismus zu beschäftigen.

Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur wird sich aus den genannten Gründen in den kommenden Jahren verstärkt mit der Kommunismusgeschichte auseinandersetzen. Ziel ist es, Wissen zu schaffen, zu vermitteln und die Geschichte des Kommunismus in der deutschen Erinnerungskultur zu verankern. Dies gilt gleichermaßen für die Entwicklung des deutschen und internationalen Kommunismus als sozialer und politischer Bewegung in der Opposition wie für den Kommunismus als Herrschaftssystem in der Sowjetunion, nach 1945 in der SBZ/DDR, in Osteuropa, Asien, Afrika und Lateinamerika. Auf diese Weise wird die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur die dringend erforderliche Kontextualisierung der SED-Diktatur in der Kommunismusgeschichte des 20. Jahrhunderts befördern und dazu beitragen, dass die Opfer des Kommunismus nicht in Vergessenheit geraten.

Webportal Kommunismusgeschichte.de

K Das neue Webportal ist eine umfangreiche Quelle für alle, die sich mit der Geschichte des Kommunismus beschäftigen möchten. Sie bietet in acht Kategorien einen direkten Zugriff auf Literatur, Biografien, Filme, Museen, Erinnerungsorte, Bildungsmaterialien und aktuelle Veranstaltungen zum Thema. Ein zentrales Suchfeld ermöglicht dem Nutzer eine freie Suche, deren Ergebnisse für alle Kategorien übersichtlich und nach Relevanz sortiert dargestellt werden. Erstmals ist das Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung (JHK) online zugänglich und durchsuchbar. Außerdem können über 5500 Biografien vor allem deutscher Kommunisten und osteuropäischer Dissidenten recherchiert werden. Eine Chronik mit Schlaglichtern zur Kommunismusgeschichte und eine Karte runden das Angebot ab. Die Website wird laufend erweitert und aktualisiert und ist unter http://www.kommunismusgeschichte.de erreichbar.

Ausstellung "Der Kommunismus in seinem Zeitalter"

Tafel 1 Die neue Plakatausstellung „Der Kommunismus in seinem Zeitalter“ beschreibt den Aufstieg und Niedergang der kommunistischen Bewegungen. Die Schau umfasst 25 Tafeln mit über 200 zeithistorischen Fotos, Dokumenten sowie QR-Codes, die mit Filmdokumenten im Internet verlinkt sind. Die Schau steht ab März 2017 als Poster-Set im Format DIN A1 für die Bildungsarbeit zur Verfügung und kann ab sofort bestellt werden. Sie ist das ideale Medium, um in Schulen und an öffentlichen Orten – etwa in den Foyers von Rathäusern, in Volkshochschulen, Stadtbibliotheken oder Kirchen – zur Auseinandersetzung mit dem Kommunismus und seinen Diktaturen einzuladen. Weitere Informationen

Veranstaltungen & Veranstaltungsreihen

Kommende Veranstaltungen der Bundesstiftung Aufarbeitung zum Schwerpunkt "Kommunismusgeschichte" finden Sie in unserem Veranstaltungskalender.

»Nach dem Ende der Illusion«. Was bleibt vom Kommunismus im 21. Jahrhundert?

Die Vortragsreihe wird von Februar bis Dezember 2017 von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, dem Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam und dem Centre Marc Bloch veranstaltet. Einhundert Jahre nach der russischen Oktoberrevolution erkundet die Vortragsreihe die Nachwirkungen dieser Illusion auf das heutige Verständnis von Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur. Weitere Informationen und Termine finden Sie hier.

»Talking about a Revolution!«. Die Oktoberrevolution: Geschichte – Instrumentalisierung – Rezeption

Die Vortragsreihe wurde von Januar bis Juni 2016 gemeinsam mit dem Lehrstuhl für die Geschichte Osteuropas an der Humboldt Universität zu Berlin ausgerichtet. Renommierte Expertinnen und Experten beleuchten unterschiedliche Aspekte der "Oktoberrevolution" und tragen dazu bei, diesen zentralen Aspekt der Geschichte des Kommunismus und des gesamtem 20. Jahrhunderts zu verstehen. Weitere Informationen und Termine finden Sie hier.

Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung

Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung
Das Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung widmet sich der Erforschung des Kommunismus als europäischem und globalem Phänomen und informiert in Aufsätzen, Forschungsberichten, Dokumentationen und Rezensionen über neue Ergebnisse der internationalen Kommunismusforschung.

György Dalos: Aufruhr im Kommunismus, Landeszentrale für politische Bildung Thüringen
Pavel Žácek, Bernd Faulenbach, Ulrich Mählert:  Die Tschechoslowakei 1945/48 bis 1989, Leipziger Universitätsverlag
Anna Kaminsky: Erinnerungsorte für die Opfer von Katyń, Leipziger Universitätsverlag
 

Podcast "Kommunismusgeschichte"

Logo Kommunismusgeschichte Geschichte zum Hören: Mit dem Podcast "Kommunismusgeschichte" macht die Bundesstiftung Aufarbeitung vergangene Veranstaltungsmitschnitte zum Thema Kommunismusgeschichte zugänglich.


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Materialien

Recherche


  • Im Biographischen Handbuch Deutsche Kommunisten 1918 bis 1945, herausgegeben von Hermann Weber und Andreas Herbst, können zahlreiche biographische Daten online recherchiert werden.

  • Zu den Archivbeständen der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gehört der Nachlass von Prof. Dr. Dr. h.c. Hermann Weber. Der vorläufig erschlossene Bestand umfasst ca. 30 laufende Meter und enthält eine Vielzahl eigener und fremder wissenschaftlicher Arbeiten.