Pressemitteilung vom 25.06.2002

Die Berliner Zeitung & die Aufarbeitung der SED-Diktatur - ein offener Brief

Sehr geehrte Damen und Herren,

gestatten Sie uns, Ihnen mit diesem Fax den Wortlaut eines offenen Briefes zu übermitteln, den die Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur am heutigen Nachmittag an den Chefredakteur der Berliner Zeitung, Herrn Dr. Vorkötter, sowie an den Vorstandsvorsitzenden von Gruner & Jahr, Herrn Dr. Kundrun, übermittelt hat:

Mit äußerstem Befremden hat die Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in den vergangenen Tagen Medienberichte zur Kenntnis genommen, die zunächst darauf hindeuteten, dass Ihre Zeitung in Zukunft von der Berichterstattung über das Thema DDR-Geschichte gänzlich absehen werde. Mittlerweile deutet alles darauf hin, dass eine solche Absicht als Begründung für die Entlassung einer Journalistin formuliert wurde, die in den vergangenen Jahren die Aufarbeitung der SED-Diktatur mit großem Engagement und hervorragender Kenntnis für Ihr Haus begleitet hat. Sollte dies zutreffen, erscheint uns dieses Vorgehen nicht weniger skandalös als die zunächst verbreitete Behauptung!Die Berliner Zeitung und mit ihr die Eigner des Berliner Verlages müssen sich nicht nur fragen lassen, welcher Geisteshaltung eine solche Begründung entspringt. An dieser Stelle ist auch die Frage angebracht, ob die Entlassung einer Journalistin, deren Namen in den vergangenen Jahren in den Spalten Ihrer Zeitung untrennbar mit dem Thema DDR-Geschichte verbunden war und ist, nicht letztlich doch Ausdruck Ihrer Absicht ist, diesem Themenbereich künftig weniger Aufmerksamkeit zu schenken. Die Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur appelliert an Sie, jedweden Tendenzen innerhalb Ihres Hauses, einen journalistischen Schlussstrich unter die DDR-Geschichte zu ziehen, entgegenzuwirken! Die Rücknahme der offenbar bereits erfolgten Kündigung wäre dabei ein glaubwürdigeres Signal als eine temporär verstärkte Berichterstattung zu diesem Thema.

Mit freundlichen Grüßen

Rainer Eppelmann, MdB, VorstandsvorsitzenderProf. Dr. Bernd Faulenbach, Stellv. Vorstandsvorsitzender

Berlin, 25. Juni 2002