Pressemitteilung vom 29.08.2008

Krippen-Kinder in der DDR

Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur hat die von den Psychoanalytikerinnen Agathe Israel und Ingrid Kerz-Rühling herausgegebene Publikation “Krippen-Kinder in der DDR - Frühe Kindheitserfahrungen und ihre Folgen für die Persönlichkeitsentwicklung und Gesundheit“ gefördert. Die Publikation liefert einen wegweisenden Beitrag zur aktuellen Diskussion um Kleinkinderbetreuung in Deutschland und ist im Brandes & Apsel Verlag erschienen.

Die Studie beruht auf umfangreichen qualitativen Interviews mit 20 ehemaligen Krippenkindern, die heute eigene Kinder in frühkindlichen Erziehungseinrichtungen untergebracht haben. Während die befragten Eltern damals ohne Eingewöhnungszeit mit durchschnittlich vier Monaten in die Betreuung kamen, haben diese ihre eigenen Kinder heute mit durchschnittlich 15 Monaten und einer Eingliederungszeit in die Kleinkindbetreuung gegeben. Die Untersuchung ergab, dass insbesondere der starre Tagesablauf der DDR-Krippenerziehung, der die Kleinkinder einem hohen Anpassungsdruck aussetzte, und die rigiden Kollektiverziehungsprogramme der 1970er Jahre für die frühkindliche Entwicklung nachteilig waren.

Die Befunde dieser qualitativen Untersuchungen stellen die Autorinnen und der Autor in den Kontext aktueller entwicklungspsychologischer Erkenntnisse und psychoanalytischer Konzepte. Dabei unterstreichen sie die Bedeutung der engen Zusammenarbeit von hochqualifizierten ErzieherInnen mit den Eltern der Kleinkinder und eine behutsame Eingewöhnungsphase für Kinder und Eltern beim Einstieg in die Fremdbetreuung. Für die Erziehung in Krippen fordern sie, die Autonomie der einzelnen Kinder zu achten und sie individuell zu fördern.

Agathe Israel /Ingrid Kerz-Rühling (Hrsg.):“Krippen-Kinder in der DDR - Frühe Kindheitserfahrungen und ihre Folgen für die Persönlichkeitsentwicklung und Gesundheit“ umfasst 300 Seiten und ist im Brandes & Apsel Verlag für € 24,90 erschienen. ISBN 978-3-86099-869-4

Weitere Informationen erteilt Ihnen gerne Dietrich Wolf Fenner, Pressesprecher Bundesstiftung Aufarbeitung, Telefon: 030-31 98 95 225. Rezensionsexemplare sind beim Brandes & Apsel Verlag, Frankfurt am Main abzurufen: Tel. 069/272 995 17 11, presse@brandes-apsel-verlag.de


Berlin, 29. August 2008