Pressemitteilung vom 14.12.2009

Bundesstiftung Aufarbeitung vergibt 2,4 Millionen Euro für Projekte im Einheits-Jubiläumsjahr 2010

Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur fördert im kommenden Jahr 171 Projekte mit 2.406.000 €, die sich mit der Geschichte und den Folgen der SED-Diktatur und der deutschen Teilung auseinandersetzen. Besonderen Stellenwert haben dabei Projekte, die die Erinnerung an das geschehene Unrecht und dessen Opfer wachhalten. Allein 36 Projekte widmen sich der Selbstdemokratisierung der DDR und dem Weg zur Wiedervereinigung 1990.

„Mit dem Jahr 1990 verbindet sich ein besonderes Stück deutsche Geschichte, dem die vielfältigen Projektförderungen 2010 Rechnung tragen, erklärt die Geschäftsführerin der Bundesstiftung Aufarbeitung, Dr. Anna Kaminsky. „1990 steht zum einen für die beispiellose Selbstdemokratisierung eines Staates durch seine Bürgerinnen und Bürger nach über 40 Jahren kommunistischer Diktatur. Zum anderen steht 1990 für den Weg zur Vereinigung der beiden deutschen Staaten zu einem geeinigten Deutschland.“

Zwei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung laden namhafte Forschungsinstitute mit Förderung der Bundesstiftung Aufarbeitung dazu ein, eine Zwischenbilanz der Forschungsanstrengungen seit 1990 zu ziehen und Forschungsperspektiven aufzuzeigen. Das Dresdener Hannah-Arendt-Institut widmet sich im Juni dem Forschungsstand sowie den Forschungstendenzen zur Geschichte der ostmitteleuropäischen Staaten nach 1945. Das Institut für Zeitgeschichte München-Berlin wendet sich im September der zeithistorischen DDR-Forschung zu. Prof. Dr. Astrid Lorenz vom Institut für Sozialwissenschaften der HU Berlin wird im Rahmen einer von ihr organisierten Tagung die politik- und sozialwissenschaftliche Forschung zum Vereinigungsprozess in den Blick nehmen.

Insgesamt 32 Ausstellungsvorhaben werden mit 468.636 € gefördert. Das Themenspektrum reicht von Demokratisierungsprozessen in Leipzig (Archiv Bürgerbewegung Leipzig/ Bürgerkomitee Leipzig), die Ausstellung „Flucht in den Westen – Erhebung, Dokumentation und Auswertung von Häftlingsberichten“ und die Erweiterung des Stasi-Ausstellungsmoduls der Gedenkstätte „Lindenstraße 54/55“, die Geschichte der deutsch-deutschen Grenzübergangsstelle Drewitz-Dreilinden vom Verein Checkpoint Bravo, ein Ausstellungsvorhaben der Gedenkstätte Amthordurchgang zum Wirken der SED anhand eines Geraer Großbetriebes, eine Wanderausstellung des Collegiums Hungaricum zur „Deutschen Einheit am Balaton“ bis hin zum Ausstellungsvorhaben der Charité „Das Berliner Universitätsklinikum zwischen Ost und West“.

Große Bedeutung misst die Bundesstiftung den von ihr 2010 geförderten Projekten von Opferverbänden sowie zur Unterstützung der Beratung für Opfer der SED-Diktatur bei, die mit insgesamt 400.000 € gefördert werden. In diesem Rahmen wird auch die Beratungsstelle für politisch Traumatisierte der SED-Diktatur „Gegenwind“ unterstützt.

Der Bewahrung und Erschließung von Dokumenten insbesondere der DDR-Opposition dienen Projekte, die bei der Robert-Havemann-Gesellschaft Berlin und dem Thüringer Archiv für Zeitgeschichte „Matthias Domaschk“ in Jena angesiedelt sind. An der HU Berlin fördert die Stiftung die Digitalisierung von Videomitschnitten von DDR-Schulstunden. Den aktuellen Geschichtsunterricht sollen didaktische DVDs befördern, die zum Thema „Deutsche Einheit“ oder „Zeitreise zur DDR-Geschichte“ erarbeitet werden.

Insgesamt 18 Multimediaprojekte werden mit 398.750 € gefördert. In diesem Bereich sind sieben Dokumentarfilmprojekte mit 171.250 € zur Förderung ausgewählt worden. Darunter ein Film zum verschwundenen SED-Parteivermögen und ein Film der sich dem Thema „Ostalgie“ nähert. Daneben entstehen Projekte zum Einsatz im Schulunterricht, wie beispielsweise eine DVD, die politische Haft von Frauen in Hoheneck behandelt oder die Frauen, die in der Frühzeit von SBZ und DDR Widerstand gegen die Diktatur leisteten, würdigt.

Auch 2010 wird die Bundesstiftung die Erweiterung von stadt- und heimatgeschichtlichen Museen auf die Zeit der DDR fördern. Im Rahmen eines eigenen Förderprogramms unterstützt sie entsprechende Vorhaben u.a. in Berlin-Treptow und Brandenburg an der Havel.

19 Publikationen werden 2010 mit einem Druckkostenzuschuss der Bundesstiftung Aufarbeitung erscheinen: Die Bandbreite der Themen reicht von den DDR-Jugendwerkhöfen, über Fragen der Agrargeschichte oder des DDR-Schulunterrichts bis hin zu den „Traumschiffen des Sozialismus“, einer Studie zu den Urlauberschiffen des DDR-Gewerkschaftsbundes. Die Zeitschriften „Gerbergasse“ in Thüringen und „Horch und Guck“ in Berlin werden 2010 wiederum gefördert.

Unter den vielen Projekten soll schließlich auch eine Untersuchung des Behandlungszentrums für Folteropfer in Potsdam hervorgehoben werden. Dort wird in einer einjährigen Studie am Beispiel des Theaterstücks „Staatssicherheiten“ der Frage nachgegangen werden, ob und auf welcher Weise eine schauspielerische Verarbeitung persönlicher Traumata möglich ist.

Unter folgendem Link finden Sie eine Projektliste nach Bundesländern sortiert: Projekte 2010 (228 KB)
Für weitere Informationen steht Ihnen Dietrich Wolf Fenner, Pressesprecher der Bundestiftung Aufarbeitung unter Tel. 030/31 98 95 - 225 gerne zur Verfügung.

Berlin, 14. Dezember 2009