Pressemitteilung vom 16.12.2009

Zeitzeugengespräch: „Delegierter dieser Toten“ – Jacob Shepetinski, Opfer zweier Diktaturen

Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur lädt gemeinsam mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas zum Zeitzeugengespräch „Delegierter dieser Toten“ - Jacob Shepetinski, Opfer zweier Diktaturen“ ein. Die Veranstaltung findet am Donnerstag, 17. Dezember 2009 um 18 Uhr in der Bundesstiftung Aufarbeitung, Kronenstraße 5 in 10117 Berlin statt.

Jacob Shepetinski ist Überlebender der nationalsozialistischen und der kommunistischen Diktatur. Er wurde 1920 als Sohn einer jüdischen Familie in der polnischen Stadt Slonim geboren. 1941 besetzte NS-Deutschland das Gebiet, das heute zu Weißrussland gehört und deportierte die jüdische Bevölkerung in Ghettos. Im November 1941 erschoss die SS über 8000 Menschen. Shepetinski überlebte die Massenerschießungen und konnte sich aus dem Leichenberg befreien. Er flüchtete zurück zu seiner Familie ins Slonimer Ghetto. Seine Identität als Überlebender und Zeuge des Massenmordes blieb unentdeckt. Bis zum Sommer 1942 musste er Zwangsarbeit verrichten. Ihm gelang die Flucht und er schloss sich einer Partisanengruppe an. Im Juli 1944 wurde er Soldat der Roten Armee. 1945 gelangte Shepetinski mit seiner Einheit bis nach Berlin. Er wurde auf Grund seiner Deutschkenntnisse als Dolmetscher von der Roten Armee eingesetzt. Im Oktober 1946 wurde er wegen Landesverrat zu zehn Jahren Gulag und fünf Jahren Verbannung verurteilt. Seit 1966 lebt er in Israel.

Dr. Dieter Pohl, Historiker am Institut für Zeitgeschichte München-Berlin, führt mit einem Vortrag in die Thematik ein und würdigt das Leben Shepetinskis. Im Anschluss spricht Jacob Shepetinski mit Helga Hirsch, langjährige Polen-Korrespondentin u.a. für Die Welt und Die Zeit.

Für weitere Informationen steht Ihnen Dietrich Wolf Fenner, Pressesprecher der Bundesstiftung Aufarbeitung, unter Tel. 030/31 98 95 225 gerne zur Verfügung.

Berlin, 16. Dezember 2009