Pressemitteilung vom 06.06.2011

„Sportverräter“?

Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und das Zentrum deutsche Sportgeschichte laden gemeinsam mit ihrem Medienpartner Deutschlandfunk am 9. Juni 2011 zu einer Veranstaltung ein, die sich aus Anlass des 50. Jahrestages des Mauerbaus dem Thema Republikflucht und politische Justiz im DDR-Sport widmet.

Auch Spitzensportler blieben in der DDR nicht von Repressionen verschont. In zahlreichen Fällen gerieten sie nicht nur ins Visier des MfS, sondern auch in die justiziellen Mühlen des Unrechtsstaates. Ihre berufsbedingten „Westkontakte“ ließen die Athleten aus Sicht der SED zu einer besonderen „Risikogruppe“ werden, so dass zur Abschreckung strafrechtliche Exempel statuiert wurden.

Hierzu gehörten in den 1950er Jahren Schauprozesse in stalinistischer Manier. Doch auch in späteren Dekaden landeten unbotmäßige Athleten infolge politisch gesteuerter Verfahren hinter Gittern. Fixpunkte der Verfolgung durch das SED-Regime waren immer wieder die geplante oder befürchtete „Republikflucht“ von Sportlern oder aber der vermeintliche Verrat von „Geheimnissen“ des Sportsystems der DDR.

Zu den Sportlern, die ins Visier des MfS gerieten, zählen auch die Gäste unseres Podiums. Nach einem Einführungsvortrag von Dr. Jutta Braun, Vorsitzende des Zentrums deutsche Sportgeschichte, diskutieren AXEL MITBAUER, WOLFGANG SCHMIDT und MANFRED STEINBACH.

1958 sorgte die Flucht des Leichtathleten MANFRED STEINBACH für eine „Disziplinierungswelle“ im DDR-Sport. In einem Schauprozess wurden Trainer und Funktionäre aus Steinbachs Umfeld an den Pranger gestellt. Der Vorwurf: Mithilfe zur Flucht. Die Folgen: Mehrjährige Zuchthausstrafen. Besonders spektakulär war die Flucht des Meister-Schwimmers AXEL MITBAUER, der den Fängen der Staatssicherheit 1969 entkam, indem er 22 Kilometer durch die Ostsee kraulte. Bereits zuvor hatte Mitbauer aufgrund eines aufgedeckten Fluchtplanes mehrere Monate in Stasihaft gesessen. Ein besonders perfides Spiel trieb der SED-Staat mit dem Diskuswerfer WOLFGANG SCHMIDT. Ein MfS-Spitzel lockte ihn mit einem Fluchtplan in die Falle, die Folge war eine anderthalbjährige Gefängnisstrafe. Erst 1987 durfte Schmidt die DDR verlassen.

Moderiert wird die hochkarätige Runde von Herbert Fischer-Solms, Deutschlandfunk-Redakteur und ARD-Reporter für Sportpolitik.

Datum/Uhrzeit: 9. Juni 2011, 19 Uhr
Mitveranstalter: Zentrum deutsche Sportgeschichte Berlin-Brandenburg e. V.
Medienpartner: Deutschlandfunk
Ort: Bundesstiftung Aufarbeitung, Kronenstraße 5, 10117 Berlin

Weitere Informationen erhalten Sie von Dr. Sabine Roß, Telefon: 030 31 98 95 206 oder E-Mail: s.ross[at">stiftung-aufarbeitung.de

Berlin, 6. Juni 2011