Pressemitteilung vom 03.11.2011

Zentrale Erfassungsstelle Salzgitter vor 50 Jahren gegründet

Podiumsveranstaltung in Braunschweig zieht Bilanz des „Archivs des Unrechts“

Mit der vor 50 Jahren gegründeten Zentralen Erfassungsstelle Salzgitter beschäftigt sich eine gemeinsame Veranstaltung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, der Braunschweiger Zeitung und der TU Braunschweig am 9. November in Braunschweig. Neben dem niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister werden eine Reihe hochkarätiger Podiumsgäste erwartet: Der ehemalige niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Glogowski, der Präsident des Bundesarchivs Michael Hollmann, der Braunschweiger Historiker Michael Ploenus und der Jurist Professor Johannes Weberling ziehen eine Bilanz der Zentralen Erfassungsstelle. Deren ehemaliger stellvertretender Leiter Hans-Jürgen Grasemann führt in das Thema ein.

Die Zentrale Erfassungsstelle der Landesjustizverwaltungen für DDR-Unrecht nahm am 24. November 1961 in Salzgitter ihre Arbeit auf. Bis zu ihrer Schließung 1992 wurden über 40.000 Aktenordner angelegt, in denen Informationen über das in der DDR begangene Unrecht gesammelt wurden. Politische Urteile, Misshandlungen, Verschleppungen und Denunziationen sowie nicht zuletzt die Todesfälle an der innerdeutschen Grenze wurden dokumentiert. „Es ist erstaunlich, was eine Handvoll engagierter Leute in 28 Jahren geleistet hat“, sagte die Geschäftsführerin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Anna Kaminsky.

Für die in der DDR Verfolgten war „Salzgitter“ immer ein Funken Hoffnung, dass das begangene Unrecht irgendwann gesühnt werden würde. Nach der Friedlichen Revolution und der Wiedervereinigung dienten die Akten aus Salzgitter als Grundlage für die strafrechtliche Aufarbeitung des Unrechts in der SED-Diktatur. Sie kamen etwa bei den Mauerschützenprozessen zum Tragen. Die Unterlagen halfen auch bei der Rehabilitierung vieler Opfer.

Die Zentrale Erfassungsstelle war zwischen beiden deutschen Staaten hoch umstritten. Immer wieder forderte das DDR-Regime die Schließung der Behörde. Doch auch innerhalb der Bundesrepublik war die kleine Behörde politisch umkämpft. Heute bieten die Aktenbestände die einzigartige Chance, das DDR-Unrecht nicht nur aus den staatlichen Aufzeichnungen zu betrachten, sondern auch die zeitgenössische Opferperspektive einzubeziehen. Darüber hinaus kann angesichts der aktuellen Situation in Korea und der arabischen Welt eine Antwort auf die Frage gegeben werden, wie ein Rechtsstaat mit dem staatlichen Unrecht einer Diktatur erfolgreich umgehen kann.


Datum: 9. November 2011
Mitveranstalter: Braunschweiger Zeitung, TU Braunschweig
Uhrzeit: 19:00 Uhr
Ort: Audimax der Technischen Universität Braunschweig
Pockelsstraße 14, 38106 Braunschweig

Eine Anmeldung ist erforderlich unter der E-Mail chefredaktion@bzv.de
oder Fax: 0531 / 39 00 304, jeweils mit dem Stichwort "Erfassungsstelle Salzgitter".


Weitere Informationen erhalten Sie von Tilman Günther, Pressesprecher der Bundesstiftung Aufarbeitung,
Telefon: 030 31 98 95 225 oder E-Mail.