Pressemitteilung vom 10.02.2012

Kinder ehemaliger DDR-Häftlinge und das „Trauma der zweiten Generation“

Podiumsveranstaltung zu den psychischen Langzeitfolgen politischer Verfolgung in der DDR

Eine gemeinsame Podiumsveranstaltung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen widmet sich am Dienstag, 14. Februar 2011 einem bisher wenig beachteten Thema: Den Konsequenzen politischer Verfolgung für die zweite Generation.

Die Folgen der Haft in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR betrafen nicht nur die etwa 300.000 Menschen, die aus politischen Gründen inhaftiert wurden. Auch die Familien wurden in Mitleidenschaft gezogen. „Besonders hart war das Schicksal für die Kinder, die in den vierziger und fünfziger Jahren in den sowjetischen Speziallagern und den Gefängnissen der DDR geboren wurden und dort Jahre ihres Lebens zubringen mussten“, erklärte die Geschäftsführerin der Bundesstiftung Aufarbeitung Anna Kaminsky.

Nach der Auflösung der Lager wurden die Kinder gewaltsam von den Müttern getrennt und in Kinderheime gebracht oder zur Adoption freigegeben. „Diese Kinder sahen ihre Mütter oft erst Jahre, manchmal Jahrzehnte später wieder“, sagte Anna Kaminsky. Die besonderen Härten, die Kinder von politisch Verfolgten erleiden mussten, waren nicht auf die frühen Jahre der DDR beschränkt. Bis 1989 wurden die Kinder bei Verhaftungen zudem häufig als Druckmittel eingesetzt. Es wurde gedroht, dass sie in Heime eingewiesen oder zur Adoption freigegeben würden.

Bei der Podiumsveranstaltung stellen zunächst die Diplom-Psychologinnen Grit Klinitzke und Maya Böhm die Ergebnisse zweier Studien zu den Folgen des „Traumas der zweiten Generation“ vor. Danach kommen Betroffene zu Wort: Der Journalist und Autor Ulrich Schacht wurde 1951 im Frauengefängnis Hoheneck geboren, 1973 wegen „staatsfeindlicher Hetze“ selbst inhaftiert und später von der Bundesrepublik freigekauft. Die Fotografin Myriam Ceglarek und die Schauspielerin Dagny Dewath, beide Töchter von politisch Inhaftierten in der DDR, berichten ebenfalls über ihre Erfahrungen und die späteren Folgen.

Die Bundesstiftung Aufarbeitung bietet zu den schwerwiegenden Folgen der Verwahrung in Kinderheimen und Jugendwerkhöfen der DDR bereits seit einigen Jahren Veranstaltungen und Weiterbildungen an. Die nächste Weiterbildung findet am 19. September 2012 statt. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Beratungsstellen, Opferverbänden und Ämtern, die mit der Betreuung und Unterstützung von ehemaligen DDR-Heimkindern betraut sind, werden über die Tragweite des Themas und die Folgen für die Opfer informiert.


Datum: 14. Februar 2012
Mitveranstalter: Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
Uhrzeit: 18:00 Uhr
Ort: Bundesstiftung Aufarbeitung, Kronenstraße 5, 10117 Berlin
Anmeldung: Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, der Eintritt ist frei.


Weitere Informationen erhalten Sie von
Tilman Günther, Pressesprecher der Bundesstiftung Aufarbeitung, Telefon: 030 31 98 95 225 oder E-Mail.