Pressemitteilung vom 31.05.2012

Vortrag: Wie die Stasi den DDR-Verteidigungsminister absetzen wollte

Fallstudie zum Verhältnis von SED und Staatssicherheit zur Buchvorstellung des JHK 2012

Zur Vorstellung des Jahrbuchs für Historische Kommunismusforschung 2012 (JHK) präsentiert der Historiker Siegfried Suckut seine aufsehenerregende Studie zum Verhältnis von SED und Stasi am 7. Juni in den Räumen der Bundesstiftung Aufarbeitung.

Suckut weist die systematische Überwachung des langjährigen DDR-Verteidigungsministers Heinz Hoffmann durch die Staatssicherheit nach. Eigentlich gedacht zur Überwachung und Verfolgung Andersdenkender hatte die politische Geheimpolizei der SED den linientreuen Kommunisten mit mustergültiger Biografie über viele Jahre beobachtet. Ziel war dessen Absetzung, was der Stasi jedoch nicht gelang. Bisher ging die Forschung davon aus, dass der Staatssicherheitsdienst führende Mitglieder der eigenen Partei nicht ausforschen durfte und dies auch nicht getan hat.

Armeegeneral Heinz Hoffmann war von 1960 bis zu seinem Tod 1985 DDR-Verteidigungsminister und ab 1973 Mitglied des SED-Politbüros. Wenn Hoffmann an Staatsfeiertagen in ordenübersäter Galauniform in der offenen Limousine stehend am Spalier seiner Soldaten entlangfuhr, wirkte er wie der Prototyp eines Machtmenschen. Drei geheime Aktenbände der Stasi korrigieren jetzt den Eindruck eines unaufhaltsamen Aufstiegs und lassen das Persönlichkeitsbild vom martialisch auftretenden moskautreuen Kommunisten differenzierter erscheinen.

Schon im Vorfeld hat die Studie für große öffentliche Resonanz unter anderem im „Spiegel“ gesorgt. Bei der Veranstaltung wird der Autor Siegfried Suckut, bis 2005 Leiter der Abteilung Bildung und Forschung der Stasi-Unterlagenbehörde, seine Ergebnisse vorstellen und diskutieren. Dabei wird er auch über die Ergebnisse seiner jüngsten Recherchen im Archiv des Bundesnachrichtendienstes berichten.

Datum: 7. Juni 2012
Uhrzeit: 18 Uhr
Mitveranstalter: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung (JHK)
Ort: Bundesstiftung Aufarbeitung, Kronenstraße 5, 10117 Berlin
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, der Eintritt ist frei.

Das JHK ist die wichtigste deutsche Plattform zur Erforschung des Kommunismus und seiner Bewegungen:
Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2012, herausgegeben von Ulrich Mählert, Jörg Baberowski, Bernhard H. Bayerlein, Horst Dähn, Bernd Faulenbach, Ehrhart Neubert, Peter Steinbach, Stefan Troebst und Manfred Wilke im Auftrag der Bundesstiftung Aufarbeitung
Aufbau Verlag, Berlin 2012, 38,- € (480 S., 77 Abb.), ISBN: 978-3-351-02749-0

Weitere Informationen erhalten Sie von
Tilman Günther, Pressesprecher der Bundesstiftung Aufarbeitung
Fon: 030 31 98 95 225, E-Mail.