Pressemitteilung vom 15.06.2018

Verleihung des Karl-Wilhelm-Fricke-Preises 2018

Berliner Beratungsstelle Gegenwind und die russische Initiative „Letzte Adresse“ ausgezeichnet

Der Karl-Wilhelm-Fricke-Preis 2018 wurde am 15. Juni in der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur verliehen. Mit dem Hauptpreis wurde die Berliner Beratungsstelle Gegenwind ausgezeichnet, die sich als bundesweit einzige Einrichtung auf die Arbeit mit politisch Traumatisierten der SED-Diktatur spezialisiert hat. Der Leiter der Einrichtung Stefan Trobisch-Lütge machte deutlich, dass Traumata bei den Betroffenen oft erst nach vielen Jahren aufbrechen. Deswegen sei es wichtig, die Menschen nicht allein zu lassen, erklärte der Psychologe. Für die Betroffenen von politischer Verfolgung und Haft bietet die 1998 gemeinsam von dem Schriftsteller und DDR-Oppositionellen Jürgen Fuchs und dem Therapeuten Stefan Trobisch-Lütge gegründete Einrichtung wichtige Unterstützung bei der Verarbeitung ihrer traumatischen Erfahrungen.

Der Sonderpreis 2018 ging an die Initiative »Posledny Adres« („Die letzte Adresse“) aus Russland. Seit 2014 markiert die Initiative die letzten Wohnstätten von Opfern des stalinistischen Terrors in der Sowjetunion mit Plaketten, auf denen die Namen und wichtigsten Lebensdaten der Betroffenen festgehalten sind. „Wir wollen, dass sich die Menschen hinter dieser Idee versammeln und darüber sprechen, was in der Vergangenheit geschehen ist“, erklärte der Gründer der Initiative Sergey Parkhomenko. Inspiration für »Posledny Adres« seien die deutschen „Stolpersteine“, die an das Schicksal von Menschen erinnern, die im Holocaust ermordet wurden.

Die Geschäftsführerin der Bundesstiftung Aufarbeitung Anna Kaminsky sagte, dass die Bedingungen der historischen Aufarbeitung in Deutschland im Vergleich zu Russland außerordentlich günstig seien. Dennoch müssten weiterhin Verbesserungen für die Opfer politischer Verfolgung erreicht werden. „Wir setzen uns seit vielen Jahren für die Umkehr der Beweislast bei der Anerkennung gesundheitlicher Folgeschäden von politischer Verfolgung ein“, erklärte Anna Kaminsky. Den Nachweis zu führen, dass bestimmte Leiden aus Haft und Verfolgung herrührten, sei für viele Betroffene unmöglich.

Der Mediziner, Autor und ehemalige Fluchthelfer Burkhart Veigel hatte den Karl-Wilhelm-Fricke-Preis durch eine Spende aus seinem Privatvermögen ermöglicht. Seit der Verleihung des ersten Aufarbeitungspreises an den Publizisten Karl Wilhelm Fricke für sein Lebenswerk 2017 trägt die Auszeichnung dessen Namen. Der Jury des Preises unter der Leitung der ehemaligen Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Marianne Birthler gehörten neben Altbundespräsident Horst Köhler die russische Menschenrechtlerin Irina Scherbakova, der Schriftsteller Marko Martin, der Spender Burkhart Veigel und die Geschäftsführerin der Bundesstiftung Aufarbeitung Anna Kaminsky an.

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