Pressemitteilung vom 15.08.2018

50 Jahre Niederschlagung des Prager Frühlings am 21. August 1968

Vor 50 Jahren wurde der Prager Frühling mit Waffengewalt niedergeschlagen. Mit dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts in die ČSSR am 21. August 1968 endete der Versuch, einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ zu schaffen. „Nach dem Volksaufstand in der DDR vom 17. Juni 1953 und den Aufständen in Ungarn und Polen 1956 bewiesen die Regierenden im kommunistischen Machtbereich erneut, dass ihre Herrschaft auf der brutalen Unterdrückung großer Teile der Bevölkerung beruhte und nur mit Gewalt und Repression aufrecht erhalten werden konnte“, erklärte die Geschäftsführerin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Anna Kaminsky. Viele Menschen in Ost und West hätten ihre Hoffnungen auf eine Liberalisierung des Kommunismus nach dem Prager Frühling begraben. Zugleich hätten die Massenproteste gezeigt, dass ein Großteil der Bevölkerung für demokratische Entwicklungen trotz Gewalt und Terror eintrat, sagte Kaminsky.

Die Bundesstiftung Aufarbeitung unterstützt die Auseinandersetzung mit den Ereignissen des Jahres 1968 in Ost und West sowie mit dem „Prager Frühling“ mit verschiedenen Vorhaben. In einem gemeinsamen Interviewprojekt mit der Film- und Fernsehproduktion Hoferichter & Jacobs sprechen Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus Ost und West über ihre Erfahrungen und Erlebnisse des Jahres 1968. Neben den Bürgerrechtlern Werner Schulz und Gerd Poppe, dem Musiker Toni Krahl und dem Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele berichtet etwa Sibylle Plogstedt darüber, wie sie sich als westdeutsche Studentin am friedlichen Widerstand gegen die Besatzung durch den Warschauer Pakt beteiligte. Bislang sind in der Reihe zehn Interviews geführt worden, die in Ausschnitten auf der Themenseite Bundesstiftung Aufarbeitung zu Prag 1968 veröffentlicht werden. Dort finden sich viele weitere Hinweise auf Quellen und Materialien zum Prager Frühling und dessen Folgen.
Zum Themenschwerpunkt „Prager Frühling 1968“.

Bereits seit April finden die Veranstaltungen der Reihe »Das doppelte 1968: Hoffnung – Aufbruch – Protest« in Berlin statt, die die Bundesstiftung Aufarbeitung gemeinsam mit dem Berliner Beauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Deutschen Gesellschaft e. V. ausrichtet. Die Reihe nimmt den vielschichtigen gesellschaftlichen Wandel der 1960er-Jahre in West und Ost in den Blick.
Weitere Informationen zur Veranstaltungsreihe »Das doppelte 1968: Hoffnung – Aufbruch – Protest«.