Pressemitteilung vom 03.11.2014

80 Prozent der Deutschen befürworten weitere Aufarbeitung der SED-Diktatur

Infratest-Umfrage der Bundesstiftung Aufarbeitung: Interesse an DDR-Geschichte bei den Jüngeren

Acht von zehn Deutschen sprechen sich dafür aus, dass die kommunistische Diktatur in der DDR weiter gründlich aufgearbeitet werden soll. Das ergab eine bundesweite, repräsentative Studie, die von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur bei Infratest Dimap beauftragt worden war. Unter den befragten 14- bis 29-jährigen gab eine deutliche Mehrheit (58 Prozent) an, dass sie gerne mehr über die Geschichte der DDR und der deutschen Teilung erfahren würden. „Die Studienergebnisse bestätigen frühere Umfragen und unsere eigene Erfahrung: Junge Leute mögen zwar wenig über die Teilungsgeschichte und die zweite Diktatur in Deutschland wissen, sie sind aber interessiert und möchten gern mehr erfahren“, erklärte die Geschäftsführerin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Anna Kaminsky.

Die Umfrage zeigt auch, dass der 9. November 1989 als das markanteste Datum der Friedlichen Revolution weithin bekannt ist: 69 Prozent der Befragten in Ost und West wissen, dass in der Nacht zum 10. November die Grenzübergänge an der Berliner Mauer geöffnet wurden, im Osten Deutschlands sogar 81 Prozent. Gefragt nach den wichtigsten Gründen für den Zusammenbruch der DDR sind sich Ost- wie Westdeutsche weitgehend einig: Michail Gorbatschows Reformpolitik steht an erster Stelle (33 Prozent), gefolgt vom schlechten Zustand der DDR-Volkswirtschaft (22 Prozent). Als drittwichtigster Grund gilt der Ausreisestrom von DDR-Bürgern (16 Prozent). Demgegenüber wird der Oppositionsbewegung in der DDR (10 Prozent) wie auch der damaligen Politik des Westens (11 Prozent) eine vergleichsweise geringere Bedeutung für den Untergang der DDR zugeschrieben. Dazu sagte Rainer Eppelmann, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Aufarbeitung: „Ohne Gorbatschow wäre die Oppositionsbewegung in der DDR möglicherweise gescheitert. Klar ist aber auch, dass die Mauer nicht gefallen ist, weil die Herrschenden in der DDR plötzlich einsichtig geworden wären. Die Grenzöffnung ist von den Bürgern der DDR in den Kirchen und auf der Straße erzwungen worden, ohne sie hätte es den 9. November, wie wir ihn erlebt haben, nicht gegeben.“

Erkennbar ist zudem, wie unterschiedlich die Ereignisse des Herbstes 1989 im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet werden: Während im Westen Deutschlands die Mehrzahl der Befragten von der „Wende“ sprechen (43 Prozent), ist im Osten der Begriff „Friedliche Revolution“ am weitesten verbreitet (41 Prozent). Bemerkenswert ist dieser Umstand vor allem deshalb, weil der Begriff „Wende“ im Oktober 1989 erstmals von Egon Krenz geprägt wurde, der zu diesem Zeitpunkt noch bestrebt war, die SED-Herrschaft zu restaurieren.


Deutsche Teilung und Friedliche Revolution. Eine Studie von Infratest Dimap im Auftrag der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur:
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Tabellarische Übersicht [140 KB]