Rainer Bonar (1956-1996)

Biografisches

Selbstportrait von Rainer Bonar (Februar 1985) © Wanda Schulte Rainer Bonar wurde am 29. Februar 1956 als Rainer Lietzke in Ost-Berlin geboren. Nach einer Facharbeiterausbildung als Schrift- und Plakatmaler arbeitete er in der Berliner Buchhandelsgesellschaft. 1973 wurde Bonar als Siebzehnjähriger wegen eines Tryptichons, das den Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze thematisierte, festgenommen. Weil er seine NVA-Diensträume als "Regimentsmaler" auch für eigene Arbeiten nutzte, wurde er 1976 "unehrenhaft" aus der Armee entlassen.

Da Bonar nicht zum Kunststudium zugelassen wurde, studierte er bis 1977 im Abendstudium Malerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und arbeitete unter anderem als Theatermaler und Werbegrafiker. Als der Maler 1978 einen Ausreiseantrag stellte, erhielt er jedoch kaum noch Aufträge. Er kam beim Kunstdienst der evangelischen Kirche unter und brachte einen Grafikkalender heraus.

Nachdem sein Ausreiseantrag bewilligt worden war, ging Rainer Bonar 1981 nach West-Berlin. Erst dort benannte sich der Künstler, der zu diesem Zeitpunkt immer noch Lietzke hieß, in Bonar um, um einem Freund zur Flucht zu verhelfen, ohne dabei die eigene Familie zu gefährden. 1988 konnte Bonar bei Karl Marx in Köln schließlich den Kunstabschluss nachholen, der ihm in der DDR verwehrt worden war. Ab Ende der 1980er-Jahre war Bonar Dozent an verschiedenen Instituten und engagierte sich zunehmend kulturpolitisch, etwa als Vorsitzender des Berliner Berufsverbandes Bildender Künstler.

Rainer Bonar starb am 25. November 1996 in Berlin.

Zum Werk

"Sozialistisches Stillleben" (April 1978) © Wanda Schulte und Regina Potempa In seinen Arbeiten hielt Rainer Bonar eine skeptische Distanz zum Sozialismus und dessen praktischer Umsetzung in der DDR. Im Stil orientierte sich Bonar deshalb auch abseits der optimistischen Grundhaltung des Sozialistischen Realismus, etwa im später vernichteten Schießbefehl-Triptychon von 1972 oder im Gemälde "Sozialistisches Stillleben" (siehe Bild rechts) von 1978.

In den 1970er-Jahren schuf Bonar sogenannte Milieufotos als Gegenentwurf zu den offiziellen Propagandabildern – ohne Möglichkeit, diese Bilder je zu zeigen. Nachdem Rainer Bonar nach West-Berlin ausgereist war, entstand seine Serie „Berliner Piktogramme“, in der er das in der DDR-Kunst der 1980er-Jahre beliebte Ikarus-Motiv als Sinnbild für menschliche Begrenztheit und den tödlichen Sturz nach Selbstüberschätzung aufgriff.

Am 19. Juni 2018 wurde der künstlerische Nachlass von Rainer Bonar durch die Familie des Malers an Archiv der Bundesstiftung Aufarbeitung übergeben. Bilder und einen Audiomitschnitt dieser Veranstaltung finden Sie in der Nachlese.

Aus der Mauerserie