Stipendienprogramm „SED-Geschichte zwischen Mauerbau und Mauerfall“

Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur hat zum 1. Juli 2009 einmalig ein Postdoc-Stipendium sowie drei Promotionsstipendien ausgeschrieben (Ausschreibung als pdf [30 KB]), die dazu beitragen sollen, die Geschichte der DDR-Staatspartei SED im Zeitraum zwischen dem Mauerbau 1961 und der Friedlichen Revolution sowie der deutschen Einheit 1989/90 zu erhellen. Die Ausschreibung richtete sich dabei ausschließlich an universitäre und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen.

Seit der Friedlichen Revolution und der deutschen Wiedervereinigung 1989/90, die mit der Öffnung der DDR-Archive einher gegangen sind, konnten unzählige Forschungsvorhaben zu den unterschiedlichsten Aspekten der DDR-Geschichte realisiert werden. Versucht man den bisherigen Forschungsstand zu bilanzieren, dann hat ausgerechnet die DDR-Staatspartei SED in den Jahren seit 1989/90 in der Forschung keine ihrer Bedeutung angemessene Aufmerksamkeit gefunden. Besonders deutlich wird dies, wenn man die Erträge der Forschung zur SED mit denen zur Geschichte ihres „Schild und Schwertes“, des Ministeriums für Staatssicherheit vergleicht. Während die Gründung und Transformation der SED zur Staatspartei in den ersten Nachkriegsjahren noch als gut und die Geschichte der Partei in den fünfziger Jahren als zufrieden stellend erforscht betrachtet werden kann, trifft dies für die Jahrzehnte zwischen dem Mauerbau 1961 und der Friedlichen Revolution 1989 nicht zu. Auch hier gibt es zahlreiche Einzelstudien zu den unterschiedlichsten Feldern der SED-Politik; wer jedoch nach Studien sucht, die sich mit den Entscheidungsabläufen von der SED-Führung bis hinab zur Basis beschäftigen, wer sich für den Wandel der Sozialstruktur ihrer Mitgliedschaft oder ihres Funktionärskorps, ihrer Kaderpolitik sowie für ihr Nomenklatursystem interessiert, wer nach eventuell vorhandenen Strömungen und Machtkämpfen auf den unterschiedlichen Parteiebenen fragt, wer die Anleitung des Staatsapparates, der Ökonomie aber auch der Blockparteien und Massenorganisationen von der Zentrale bis auf die Ebene der Kommunen, aber auch den „Parteialltag“ rekonstruieren will, wer das Zusammenspiel mit der KPdSU, die Zusammenarbeit mit den realsozialistischen Bruderparteien oder aber mit westdeutschen Satellitenorganisationen nachlesen oder sich über die Finanzen der Zweimillionenpartei informieren will, wird in der vorhandenen Literatur nur partiell fündig.

Aufgrund der herausragenden Qualität der Anträge, die einerseits von einem Projektverbund unter der Federführung des Instituts für Zeitgeschichte und andererseits von einem Projektverbund unter der Federführung des Zentrums für Zeithistorische Forschung eingereicht worden sind, hat sich der Vorstand der Bundesstiftung Aufarbeitung der Empfehlung seines Fachbeirates Wissenschaft angeschlossen und beiden Projektverbünden jeweils ein Postdoc- und zwei Promotionsstipendien bewilligt.

Bereits bewilligte Themenstellungen

Nachfolgend finden Sie bereits die bewilligten Themenstellungen sowie die designierten Bearbeiter.

Projektverbund Institut für Zeitgeschichte München-Berlin, Universität Leipzig (Lehrstuhl Neuere und Zeitgeschichte, Prof. Dr. Günther Heydemann), Technische Universität Chemnitz (Lehrstuhl Politische Systeme, Politische Institutionen Prof. Dr. Eckhard Jesse) und Universität Rostock (Lehrstuhl Zeitgeschichte, Prof. Dr. Werner Müller)

Die SED zwischen Mauerbau und Mauerfall. Strukturen, Eliten und Konflikte (1961-1989/90)
Bearbeiter: Dr. Andreas Malycha, Berlin (Post-Doc-Stipendium)

Politikspielräume und Interessenskonflikte im Bezirk und Kreis: Die Wohnungspolitik im Bezirk Halle 1961-1989
Bearbeiterin: Kathy Hannemann, Leipzig

SED und MfS: Das Verhältnis der SED-Bezirksleitung Karl-Marx-Stadt und der MfS-Bezirksverwaltung (1961-1989)
Bearbeiter: Gunter Gerick, Chemnitz

Projektverbund Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (Prof. Dr. Martin Sabrow) und Friedrich-Schiller-Universität Jena (Historisches Institut, Prof. Dr. Norbert Frei)

Der Apparat des Zentralkomitees - das Regierungszentrum der DDR. Politik- und Gesellschaftssteuerung als Problem des Staatssozialismus (1963-1989)
Bearbeiter: Rüdiger Bergien

Die SED im Territorium. Parteipräsenz und regionale Herrschaftspraxis
Bearbeiterin: Andrea Bahr

Arbeitermythos und Staatspartei. Zusammensetzung und Rekrutierung von Mitgliederschaft und Funktionärskörper (1961-1989)
Bearbeiterin: Sandra Meenzen


Weitere Details zu den Bearbeitern und Vorhaben werden in Kürze hier veröffentlicht.