Studienfahrten

Zu den Aktivitäten der Bundesstiftung Aufarbeitung gehören seit einigen Jahren auch Studienfahrten in ehemals kommunistische Länder, an denen jeweils etwa 20 hochrangige Leiter und Vertreter von Museen, Gedenkstätten, Aufarbeitungs- und Forschungseinrichtungen, den Medien, der Politik etc. teilnehmen. Unter den Teilnehmern sind Bundestagsabgeordnete, Vertreter von Opferverbänden, Landesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Wissenschaftler, Fachjournalisten sowie Experten der Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur.

Ziel der Studienfahrten ist es, die Auseinandersetzung mit den kommunistischen Regimes in Europa kennen zu lernen und Kontakte für eine künftige Zusammenarbeit zu knüpfen oder auszubauen.

In den vergangenen Jahren wurden Fahrten nach Tschechien, Polen, Russland, Ungarn, Ukraine, Rumänien, Albanien, Spanien, Bulgarien, Lettland, Estland und Republik Moldau durchgeführt.

Studienfahrt 2016: Balkan

Die 13. Studienfahrt führte vom 29. Mai bis 5. Juni 2016 nach Serbien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina. Eine Region, die nicht erst seit den Bürgerkriegen in den 1990er Jahren und dem Massaker von Srebrenica in den Fokus der Öffentlichkeit geraten ist. Wie immer diente diese Fahrt dazu, die „Aufarbeitungslandschaft“ vor Ort kennen zu lernen und zu erfahren, welche Themen die dortige Auseinandersetzung mit der Vergangenheit bestimmen. Neben unabhängigen Aufarbeitungsinstitutionen besuchte die Delegation staatliche Einrichtungen, Gedenkstätten, Museen und Institutionen der historischen Bildungsarbeit, traf sich mit Kriegsveteranen und Vertretern von Opferverbänden und besuchte Museen und Erinnerungsorte. Der Hauptteil der Studienfahrt fand in Bosnien und Herzegowina statt. Die Reise begann in Belgrad, führte von dort ins kroatische Vukovar, und anschließend nach Srebrenica, Sarajewo und Mostar in Bosnien und Herzegowina. Die Vielschichtigkeit und Komplexität der Geschichte des Balkan und der Umgang mit dieser Vergangenheit spiegelten sich im Programm wider: Programm der Studienfahrt 2016 [120 KB]

 

Studienfahrt 2015: Republik Moldau

Vom 6.-13. September 2015 führte die 12. Studienfahrt in die Republik Moldau. In dem zwischen Rumänien und der Ukraine liegenden Land, das mit seiner unabhängigen Region Gagausien und der abgespaltenen Republik Transnistrien über zwei mögliche Konfliktfelder verfügt, zeigen sich bis heute die Folgen der kommunistischen Diktatur. Die Studienfahrt zeigte, wie schwierig die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit im Land ist und wie schwer es Initiativen haben, die sich dem Thema widmen, und es auch für nachfolgende Generationen zugänglich machen wollen. Die Delegation sprach in Chisinau mit Wissenschaftlern, mit dem Direktor des Staatsarchivs und dem Direktor des Nationalmuseums, besuchte in Mereni ein Museum für die Opfer der Deportationen, konnte bei einer Exkursion nach Transnistrien in einem Museum die dortige Sicht auf die kriegerische Auseinandersetzung um die Abspaltung Transnistriens von Moldova Anfang der 1990er Jahre erhalten. Eine weitere Exkursion führte in das autonome Gebiet Gagausien. Auf dem Programm stand ein Besuch im Jüdischen Kulturzentrum KEDEM, an dessen Feierlichkeiten zum 10-jährigen Bestehen die Studiengruppe ebenso teilnehmen durfte, wie sie auch in einem langen Gespräch mit der Direktorin über die Situation der jüdischen Bevölkerung sprechen konnte. Programm der Studienfahrt 2015 [410 KB]

 

Studienfahrt 2014: Lettland und Estland

2014 führte die Studienfahrt der Bundesstiftung Aufarbeitung wieder in ehemals kommunistisch regierte Länder: Vom 20. bis 27. August 2014 waren wir mit 23 Leitern von Museen und Gedenkstätten, mit Mitarbeitern von Aufarbeitungsinitiativen, Opferberatungsstellen und Stiftungen sowie mit Hochschullehrern, Wissenschaftlern und Mitarbeitern von Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Estland und Lettland unterwegs. Wie in den Vorjahren war auch diese Studienfahrt dem Zweck gewidmet, die „Aufarbeitungslandschaft“ in diesen Staaten kennen zu lernen und Kontakte in Wissenschaft, Politik und Gesellschaft für künftige Kooperationen zu knüpfen. Der ausführliche Studienfahrtbericht kann hier [180 KB] nachgelesen werden.

 

Studienfahrt 2013: Bulgarien

Die 10. Studienfahrt der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur führte vom 23.-29. Juni 2013 nach Sofia, Bulgarien. In Bulgarien, das seit 2007 Mitglied der EU ist, gibt es mehrere Gesetze zur Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit (1944-1989) und zur Rehabilitierung ihrer Opfer. Im Jahr 2007 wurde zudem eine Kommission eingesetzt, die die Tätigkeit des bulgarischen Staatssicherheitsdienstes und seine Rolle in der Volksrepublik Bulgarien erforscht. Trotz dieser Rahmenbedingungen hat eine breite gesellschaftliche Aufarbeitung bisher nicht stattgefunden. Knapp 25 Jahre nach dem Zusammenbruch des Ostblocks gibt es in Bulgarien keine offiziellen Gedenkorte oder Museen, die sich kritisch mit der Zeit des Kommunismus auseinander-setzen und an ihre Opfer erinnern. In der Schule wird dieser Teil der bulgarischen Geschichte nur unzureichend vermittelt; die wissenschaftliche Forschung zum Thema weist noch zahlreiche Lücken auf. Eine ausgeprägte Erinnerungskultur gibt es nicht. Die wenigen Erinnerungsorte und Projekte, die existieren, gehen hauptsächlich auf Initiativen von Privatpersonen und Opferverbänden zurück. Seit 2011 hat Bulgarien einen Staatspräsidenten, der – ungeachtet der Kontinuitäten in den politischen Parteien – die gesellschaftliche Aufarbeitung als sein persön-liches Anliegen formuliert hat. Auf dieser 10. Studienfahrt bekamen die Vertreterinnen und Vertreter deutscher Gedenkstätten, Museen und Forschungseinrichtungen einen Eindruck davon, wie die Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit in Bulgarien in der Praxis funktioniert – und wo ihre Schwächen liegen. Einen ausführlichen Studienfahrtbericht können Sie hier [410 KB] nachlesen.

 

Studienfahrt 2012: Spanien

Auch wenn der Schwerpunkt der Studienfahrten auf der Zusammenarbeit mit ostmitteleuropäischen Partnern liegt, hat die Bundesstiftung Aufarbeitung 2012 die Aufmerksamkeit ganz bewusst auf ein westeuropäisches Beispiel der Diktaturaufarbeitung, auf Spanien, gelenkt. Im Rahmen der neunten Studienreise besuchten rund 25 Multiplikatoren aus Deutschland Institutionen und Gedenkorte, die sich mit dem spanischen Bürgerkrieg, der Franco-Diktatur und deren Überwindung beschäftigen bzw. an diese erinnern in Madrid, Salmanca und dem Valle des los Caídos. Aus diesem Anlass erschien das Vademécum de Historia Contemporánea de España , das auf Spanisch und Englisch Archive, Bibliotheken, Forschungseinrichtungen, zeitgeschichtliche Vereinigungen und Opferverbände vorstellt. Mit dieser Initiative eröffnete die Bundesstiftung Aufarbeitung insbesondere den Institutionen der gesellschaftlichen Aufarbeitung in Deutschland neue Perspektiven und Kooperationsangebote, die in der Wissenschaft bereits seit den 1990er Jahren für vergleichende Studien als fruchtbar erachtet und verfolgt werden.

Programm zur Studienfahrt [130 KB]

 

Studienfahrt 2011: Russland

Die achte Studienreise der Bundesstiftung Aufarbeitung führte eine Gruppe von 25 Multiplikatoren bundesdeutscher Einrichtungen und Vereine 2011 nach Perm und Jekaterinburg in Russland. Gesprächspartner vor Ort waren u.a. Aktivisten der russischen Nichtregierungsorganisation Memorial und Vertreter weiterer zivilgesellschaftlicher Gruppen, die sich für eine Auseinandersetzung mit den stalinistischen Verbrechen und die Demokratisierung der russischen Gesellschaft einsetzen. Zum Besuchsprogramm gehörten ein Museum zum russischen Afghanistan-Krieg in Jekaterinburg, das von ehemaligen Soldaten betrieben wird, Gedenkstätten wie im ehemaligen KGB-Gefängnis in Perm, aber auch Ausstellungen zu zeithistorischen Themen in den Stadtmuseen sowie Gedenkorte und -zeichen. Besondere Aufmerksamkeit kam dem im ehemaligen Lager Perm 36 eingerichteten Museumskomplex mit seinem Gulag-Museum zu. Dort fand zeitgleich mit dem Besuch der deutschen Delegation Ende Juli 2011 das Kulturfestival »Pilorama« statt, zu dem mehrere Tausend Teilnehmer aus ganz Russland und Europa angereist waren.

Programm zur Studienfahrt [230 KB]

 

Studienfahrt 2010: Albanien

Im Mai 2010 führte die Studienfahrt rund 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer für eine Woche nach Albanien. Auf dem Besuchsprogramm standen u. a. die historische Fakultät der Universität Tirana, das albanische Staatsarchiv, das Dokumentationszentrum der Albanischen Vereinigung der Politisch Verfolgten, das Staatsmuseum, das eine kleine Abteilung über das Thema politische Repression unterhält, sowie eine ganztägige Exkursion zu ehemaligen Arbeitslagern im Umland. Darüber hinaus führte die Delegation Gespräche mit Parlamentsabgeordneten zu Fragen der Aufarbeitung der Diktatur und der noch immer offenen Lustration in Albanien, mit Vertretern der nationalen Rehabilitationsbehörde sowie mit einem Richter am Obersten Gericht.

Der Journalist Alfred Eichhorn begleitete die Studienreise und sprach vor Ort mit verschiedenen Personen über Albanien und seine Geschichte. Die Interviews können Sie in der Nachlese anhören.

Programm zur Studienfahrt [20 KB]