Veranstaltungsnachlese 2007

»Der heimliche Leser in der DDR«

Konferenz

Termin

26.09.2007 - 28.09.2007

Veranstalter

Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam
Buchwissenschaft der Leipziger Universität

Kurzbeschreibung

Wissenschaftliche Konferenz über die Verbreitung und Kontrolle illegaler Literatur in der DDR, gemeinsam mit dem Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam und der Buchwissenschaft der Leipziger Universität
Der neugierige Bewohner des „Leselandes“ DDR las am liebsten, woran besonders schwer heranzukommen war. Von der Zensur und vom Zoll ausgegrenzte, mehr oder minder verbotene Bücher und Zeitschriften, die zumeist, aber keineswegs immer aus dem Westen kamen, wurden über die Grenze geschmuggelt, den Hütern der Giftschränke in den Bibliotheken abgeluchst und auf der Messe gestohlen. Man las „zwischen den Zeilen“, organisierte illegale Lesezirkel oder schrieb sogar ganze Bücher ab. Eine Welt ohne Kopiergeräte, in der sogar die Schreibmaschinen von der Stasi überwacht wurden: Für die nachgeborenen Bewohner unserer Informationsgesellschaft ist es kaum noch vorstellbar, welche Energien freigesetzt und originelle Tricks ersonnen wurden, um die unsichtbare Mauer zu überwinden, die die staatliche Literaturpolitik errichtet hatte. Die gemeinsam vom Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam und der Buchwissenschaft der Leipziger Universität organisierte und von der Stiftung Aufarbeitung geförderte Konferenz stellt die „heimlichen Leser“ in der DDR in ihren Mittelpunkt. Wissenschaftler und Zeitzeugen verschiedener Generationen aus Ost und West, Büchermacher und Bücherschmuggler, Bibliothekare, Theologen und Untergrundpublizisten, der ehemalige Postkontrolleur und sein westdeutscher Antagonist vom RIAS, die Repräsentanten höchst unterschiedlicher Milieus kommen zusammen, um ihr Wissen und ihre Erfahrungen auszutauschen. Dabei geht es um die illegale „Verbringung“ und Lektüre höchst unterschiedlicher Bücher und Textarten: um Rudolf Bahros „Die Alternative“, um „Bravo“, „Kicker“ und Karl May, um George Orwells „1984“ genauso wie um den „Wachtturm“ der Zeugen Jehovas, um westliche Propagandaschriften, die von Heißluftballons abgeworfen wurden, und um erotische und Science-Fiction Literatur.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Siegfried Lokatis; E-Mail: lokatis@uni-leipzig.de; Tel.: +49 341 973 5721

Ort der Veranstaltung

Haus des Buches
Gerichtsweg 28
04103 Leipzig