Veranstaltungsnachlese 2015

Die umstrittene Erinnerung an die Opfer der sowjetischen Speziallager in Deutschland

Podiumsdiskussion

Termin

05.11.2015 / 18:00 Uhr

Veranstalter

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.
Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Kurzbeschreibung

In Deutschland ist eine Verschiebung der Erinnerungskulturen erkennbar: Neben den Kriegsopfern wird seit Jahrzehnten auch der Opfer des Nationalsozialismus gedacht, und seit 1990 auch der Opfer des Stalinismus. Diese Entwicklung verläuft nicht reibungslos, unterschiedliche Opfergruppen ringen um öffentliche Wahrnehmung, manchmal sind Gedenkorte für die Opfer des sowjetischen Geheimdienstes und des Nationalsozialismus auf demselben Gelände. Dort entzünden sich Diskussionen, auch streitbar, um eine angemessene öffentliche Wahrnehmung von historischen Ereignissen.

Zwischen 1945 und 1950 unterhielt die sowjetische Militäradministration zehn Speziallager - sieben davon in Brandenburg und Berlin. Insgesamt wurden in der Sowjetisch Besetzten Zone (SBZ) über 122.000 Deutsche in diesen Lagern zumeist ohne Überprüfung der erhobenen Vorwürfe oder ein Urteil gefangen gehalten. Die Haftgründe waren vielfältig: Verhaftet wurden kleinere und mittlere NSDAP-Funktionäre, aber auch Gegner der neuen Diktatur, Mitglieder von SPD, CDU oder LDP sowie Jugendliche. Viele Menschen kamen auf Grund von Denunziationen, Verwechslungen und Willkür in die Lager. Lediglich 45.262 von ihnen wurden bis 1950 wieder entlassen, fast ebenso viele verstarben in den Lagern. Die übrigen wurden entweder in die Sowjetunion deportiert oder bei Auflösung der Lager weiterhin in DDR-Gefängnissen festgehalten. An anderen wurden Todesurteile vollstreckt. Im Januar 1950 vermeldete das "Neue Deutschland" die Auflösung der sowjetischen Internierungslager in der DDR.

Wie verhält es sich heute mit der Erinnerung an die Toten der Speziallager? Wie werden die Lager und ihre Opfer gewichtet und interpretiert, in Gedenkstätten und in der Öffentlichkeit, in Deutschland und in Europa?

Impulsreferat:
Dr. Bettina Greiner (Hamburger Institut für Sozialforschung)

Fallbeispiele und Diskussion:
Horst Schüler (Ehrenvorsitzender der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft e.V. (UOKG))
Dr. Julia Landau (Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora)
Dr. Enrico Heitzer (Gedenkstätte Sachsenhausen)

Moderation:
Dr. Jens Hüttmann (Bundesstiftung Aufarbeitung)

Ort der Veranstaltung

Literaturhaus Berlin
Fasanenstr. 23
10719 Berlin

Kontakt

Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Kronenstraße 5
10117 Berlin
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