Veranstaltungsnachlese 2019

Der Weimar-Komplex. Die erste deutsche Republik als Bezugspunkt der politischen Neuordnung im Nachkriegsdeutschland

Öffentlicher Vortrag

Schwerpunkt: "Weimarer Republik"

Termin

28.01.2019 / 18:15 Uhr

Veranstalter

Lehrstuhl für Neueste und Zeitgeschichte der Humbold-Universität zu Berlin
Stiftung Topographie des Terrors
Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam
Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Deutsches Historisches Museum

Kurzbeschreibung

Am 28. Januar 2019 wird der Historiker Sebastian Ullrich die Veranstaltungsreihe "Weimars Wirkung. Das Nachleben der ersten deutschen Republik" mit seinem Vortrag "Der Weimar-Komplex. Die erste deutsche Republik als Bezugspunkt der politischen Neuordnung im Nachkriegsdeutschland" im Deutschen Historischen Museum fortsetzen.

Die Weimarer Republik, deren Untergang die meisten Zeitgenossen noch miterlebt hatten, war die Negativfolie, vor deren Hintergrund nach 1945 die zweite deutsche Demokratie konzipiert, und an der sie seitdem immer wieder ängstlich gemessen wurde. Der Weimar-Vergleich ist gewissermaßen in die DNA der Bundesrepublik eingeschrieben, was auch seine bis heute andauernde Präsenz erklärt. Doch während heute gerne eine gerade Linie von den „Lehren aus Weimar“ zur stabilen Ordnung der Adenauerzeit gezogen wird, war der demokratische Neubeginn nach 1945 sehr viel umstrittener und kontroverser. Es gab gerade im bürgerlichen Parteienspektrum starke Kontinuitäten zur Parlamentarismus- und Parteienkritik der Weimarer Zeit. Noch in den Länderverfassungsdebatten seit 1946 traten viele für eine berufsständische Einhegung des Parlaments durch eine zweite Kammer ein. Ohne die Alliierten, die den Rahmen vorgaben, in dem sich die Neuordnung bewegen konnte, wäre vermutlich keine liberale parteienstaatliche Demokratie entstanden. Dementsprechend erschien „Bonn“ vielen auch „Weimar“ viel zu ähnlich zu sein. Der berühmte Buchtitel Fritz René Allemanns „Bonn ist nicht Weimar“ war bei Erscheinen des Werks 1956 eher eine Provokation als Common Sense. Es brauchte die Erfolge der Ära Adenauer und die Furcht vor der Sowjetunion, um die Vorbehalte gegenüber dem westlichen politischen Modell schwinden zu lassen. In den Debatten und dem politischen Streit um Weimar nach 1945 spiegelt sich daher auch das Einleben der Westdeutschen in die bundesrepublikanische Demokratie.

Sebastian Ullrich, 1975 geboren, ist Lektor beim Verlag C. H. Beck in München. Er studierte Geschichte, Philosophie und Politikwissenschaft in Berlin und Cambridge. Für seine Studie Der Weimar-Komplex. Das Scheitern der ersten deutschen Demokratie und die politische Kultur der frühen Bundesrepublik 1945–1959 (2009) ist er mit dem Hans-Rosenberg-Gedächtnispreis ausgezeichnet worden.

Weimars Wirkung. Das Nachleben der ersten deutschen Republik

Fast drei Jahrzehnte nach der deutsch-deutschen Vereinigung verdient die Weimarer Republik zum hundertjährigen Jubiläum ihrer Entstehung neue Aufmerksamkeit. Die Ringvorlesung diskutiert die verpassten Chancen und die strukturellen Defizite, fragt aber auch nach langfristigen und womöglich bis heute anhaltenden Wirkungen der ersten deutschen Republik. Gegenüber einer Verengung des Blicks auf die vielbeschworenen „Weimarer Verhältnisse“ als Vorspiel zu den Ereignissen nach 1933 unternimmt die Ringvorlesung einen doppelten Perspektivwechsel: Einerseits fragt sie nach der Eigenart und dem Stellenwert der ersten deutschen Republik innerhalb der längeren Geschichte, andererseits sucht sie die Bedeutung der mit „Weimar“ verbundenen Kultur des Politischen für ihre Nachgeschichte bis in die Gegenwart zu erörtern.

Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Interessierte sind herzlich willkommen!

Ort der Veranstaltung

Deutsches Historisches Museum
Unter den Linden 2
10117 Berlin