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Luxemburg, Rosa

* 5.3.1871, † 13.6.1919

Biographische Angaben aus dem Handbuch der Deutschen Kommunisten:


Geboren am 5. März 1871 in Zamosz in Russisch-Polen als jüngstes von fünf Kindern einer wohlhabenden, assimilierten jüdischen Kaufmannsfamilie. 1873 übersiedelten die Eltern nach Warschau, wo Rosa Luxemburg bis 1887 ein Mädchengymnasium besuchte. Mit unbändigem Gerechtigkeitssinn opponierte sie gegen die bestehende Gesellschaft und trat 1887 in die revolutionäre sozialistische Partei ein, war illegal gegen den Zarismus tätig und mußte 1889 in die Schweiz emigrieren. Sie studierte in Zürich Naturwissenschaft und Mathematik, dann Staatswissenschaften und Nationalökonomie und promovierte 1897 mit der Dissertation »Die Industrialisierung Polens«. Seit 1893 gab Rosa Luxemburg zusammen mit Leo Jogiches u. a. eine radikale sozialistische polnische Zeitung (»Arbeitersache«) heraus und war 1894 Mitbegründerin der Sozialdemokratie des Königreiches Polen. Teilnehmerin aller Internationalen Sozialistenkongresse sowie ab 1896 Autorin im theoretischen Organ der SPD »Neue Zeit«. In Zürich lebte sie mit Leo Jogiches zusammen, sie hatten zugleich engste politische Beziehungen, die bis zu ihrer Ermordung 1919 bestanden.
Im April 1898 schloß Rosa Luxemburg eine Scheinehe mit dem jungen Schriftsetzer Gustav Lübeck, dem Sohn ihres Bekannten Karl Lübeck, einem deutschen Emigranten. Seit dieser Eheschließung (1903 Scheidung) war sie deutsche Staatsbürgerin und zog im Mai 1898 nach Berlin. Hier wurde sie in der SPD mir ihren radikal-sozialistischen Ansichten schnell bekannt. Durch ihre scharfzüngige Kritik, mit ihrer Methode, den politischen Gegner innerhalb der Partei auch persönlich herabzusetzen, trug sie zur Polarisierung bei. Als glänzende Publizistin und Rednerin rasch von ihren Anhängern geradezu verehrt, wurde sie eine der berühmtesten sozialdemokratischen Frauen in Deutschland.
Rosa Luxemburg beschränkte ihre Arbeit indes nicht nur auf die SPD. Nachdem auf ihren Druck hin 1900 auch Leo Jogiches nach Berlin übersiedelte, setzten beide ihre Arbeit in der illegalen polnischen Sozialdemokratie fort, und bis 1910 blieb sie Mitarbeiterin am theoretischen Organ der polnischen links-sozialisitischen »Sozialdemokratischen Rundschau«. Ihr Hauptarbeitsfeld lag aber in der SPD, mit unglaublicher Energie und unbändigem Eifer wirkte sie in dieser Partei. Mit ihrer Aufsatzreihe in der »Leipziger Volkszeitung« 1898/99 über »Sozialreform oder Revolution« bekämpfte sie scharf den »Revisionismus« Eduard Bernsteins und seiner Anhänger, stand zunächst noch an der Seite des »orthodoxen« Marxisten Karl Kautsky. Ihre unermüdlichen Aktivitäten – Teilnahme und Diskussionen auf allen SPD-Parteitagen, Rundreisen mit Agitationen in vielen Städten, journalistische und publizistische Tätigkeit – sind in zahlreichen Biographien über sie (u. a. von 4 Paul Frölich, H. Roland-Holst, P. Nettl, F. Tych, H. Hirsch, L. Basso, G. Badia, N. Ito, S. Quack, O. K. Flechtheim, I. Fetscher, E. Ettinger, M. Gallo, A. Laschitza, M. Scharrer und vielen anderen) und mit Veröffentlichung ihrer Briefe umfassend dokumentiert. 1898 Chefredakteurin der »Sächsischen Arbeiterzeitung« in Dresden, kam sie 1902 in die Redaktion der »Leipziger Volkszeitung«.
Die russische Revolution von 1905 bis 1907 steigerte ihr Engagement noch, und sie ging gemeinsam mit Jogiches im Dezember 1905 nach Warschau, um mit der polnischen Sozialdemokratie gegen den Zarismus zu kämpfen. Deshalb im März 1906 verhaftet, nach Zahlung einer Kaution kam sie im Juli 1906 frei, fuhr im August nach Finnland, wo sie im Auftrag der SPD-Hamburg eine ihrer bekanntesten Arbeiten »Massenstreik, Partei und Gewerkschaft« verfaßte. Rosa Luxemburg vertrat nun (u. a. auf dem Mannheimer SPD-Parteitag 1906) die radikale These, der Massenstreik müsse revolutionäres Kampfmittel der Partei werden und stieß damit auf den Widerstand der freien Gewerkschaften. Sie war eine radikale Sozialistin, deren Vorstellung von der eigenständigen Entwicklung der Massenbewegung später als »Spontanitätstheorie« bezeichnet wurde. Sie wandte sich vor allem gegen bürokratische und zentralistsiche Tendenzen in der Arbeiterbewegung und stand daher zusammen mit Leo Jogiches gegen Lenins Bolschewiki. Bereits 1903 verwarf sie Lenins Parteikonzeption und verteidigte das Grundprinzip der »proletarischen Demokratie«. In ihrem Artikel »Organisationsfragen der russischen Sozialdemokratie« wies sie den Leninschen »Überzentralismus« strikt zurück. »Der von Lenin befürwortete Überzentralismus scheint uns in seinem ganzen Wesen nicht vom positiven schöpferischen, sondern vom sterilen Nachtwächtergeist getragen zu sein«, faßte Rosa Luxemburg in ihrer gewohnten scharfzüngigen Polemik zusammen. Und auch während der russischen Revolution 1905 griff sie – ebenso wie Jogiches – Lenins Strategie an. Der »Unfehlbarkeits«-Anspruch einer Führung war für sie unerträglich.
Insbesondere aber wandte sie sich gegen die gemäßigten Kräfte in der SPD und führte ihre oft persönlichen Ausfälle gegen Parteigenossen fort. Dennoch galt sie, durchaus weit über ihre Anhänger hinaus, als geachtete wissenschaftliche Autorität. Das zeigte sich in der Anerkennung ihrer erfolgreichen Tätigkeit an der zentralen Parteischule der SPD ab Oktober 1907. Dort lehrte sie Nationalökonomie und schrieb an ihrem (1913 publizierten) Hauptwerk »Die Akkumulation des Kapitals«. Ihre Einschätzung des Imperialismus war umstritten, die These, der Kapitalismus sei nur lebensfähig, wenn er sich ständig im nichtkapitalistischen Raum (als vorkapitalistische oder koloniale Gesellschaften) erweitere, haben gerade kommunistische Ökonomen später abgelehnt. Eher akzeptiert wurde hingegen ihre Schlußfolgerung, der Kampf um diesen nichtkapitalistischen Raum führe zu imperialistischen Konflikten, Militarismus und Krieg.
Das turbulente Leben, das Rosa Luxemburg bei ihrer politischen und wissenschaftlichen Tätigkeit führte, wurde durch private Probleme erschwert. Das Liebesverhältnis mit Leo Jogiches endete 1907, aber sie wohnten zunächst noch in Berlin-Friedenau zusammen. Ihre engen politischen Beziehungen hielten sie auch nach der Trennung aufrecht, erst 1911 zog Luxemburg nach Berlin-Südende. Danach war sie mit Kostja Zetkin (*1885 – † 1980) liiert, einem weit jüngeren Arzt, dem Sohn ihrer Kampfgenossin und Freundin Clara Zetkin. Die leidenschaftliche und innige Beziehung zu Kostja Zetkin ist dem Briefwechsel ebenso zu entnehmen wie Rosa Luxenburgs persönliche enge Freundschaft mit dem Arzt Hans Diefenbach (* 1884 – † 1914). Als der im Weltkrieg fiel, hat das bei ihr einen Schock ausgelöst. Aus ihrem umfangreichen Briefwechsel geht neben den vielseitigen wissenschaftlichen Interessen nicht nur die Hinwendung zu Musik und Literatur, sondern auch eine große Liebe zur Natur und zu den Pflanzen und Tieren hervor.
In der SPD wurde Rosa Luxemburg ab 1911 zunehmend politisch isoliert. Sie löste sich vom früheren Mitkämpfer Karl Kautsky und seinen Anhängern, ihr Bruch mit der »Leipziger Volkszeitung« nach dem Jenaer Parteitag der SPD 1913 leitete die Trennung der radikalen Linken vom Zentrum ein. Schließlich führte die Herausgabe der »Sozialdemokratischen Korrespondenz« im Dezember 1913 gemeinsam mit Franz Mehring und Julian Marchlewski schon vor dem Weltkrieg zu einer eigenständigen politischen Strömung der radikalen Linken. Dabei hatte Rosa Luxemburg immer gegen den Krieg agiert, u. a. forderte sie die deutschen Arbeiter auf, nicht auf ihre französischen Klassenbrüder zu schießen. Das war für den Staatsanwalt »Anstiftung zum Verbrechen der Meuterei«. Deswegen wurde sie im Februar 1914 in Frankfurt/M. zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, allerdings dann erst im Mai 1915 inhaftiert.
Ihr Verteidiger in diesem Prozeß war Paul Levi, mit dem sie 1914 eine Liebesbeziehung hatte. Der Ausbruch des Weltkrieges und die SPD-Politik der Vaterlandsverteidigung und des Burgfriedens entsetzte die Internationalistin Luxemburg, sie verlangte schonungslose Selbstkritik. Zusammen mit Karl Liebknecht, der vor dem Krieg nicht zum engsten Kreis der radikalen Linken gehörte, wurde sie zur treibenden Kraft der Gruppe Internationale, dem späteren Spartakusbund. Gemeinsam mit Leo Jogiches, Liebknecht und Mehring sammelte sie die konsequenten Linken (u. a. August und Bertha Thalheimer, Hermann und Käte Duncker, Ernst Meyer, Otto Rühle), und sie versuchten als kleine Gruppe, politisch aktiv zu werden. Rosa Luxemburg lieferte die theoretischen Grundlagen. In ihrer »Juniusbroschüre«, (unter dem Pseudonym Junius hatte sie in Zürich 1916 ihre Broschüre »Die Krise der Sozialdemokratie« veröffentlicht) analysierte sie die Gründe des »Umfallens« der Sozialdemokratie im Krieg. Ihre Einschätzung wurde von Lenin sofort heftig kritisiert.
Auch während des Krieges standen sich – in Lenin und Luxemburg personifiziert – zwei fast konträre Richtungen des radikalen Sozialismus, des späteren Kommunismus gegenüber. Rosa Luxemburg konnte aber kaum mehr politisch frei wirken. Im April 1915 erschien noch die erste (und einzige) Nummer der von ihr und Franz Mehring herausgegebenen Zeitschrift »Die Internationale«. Doch schon ab Februar 1915 (bis Februar 1916) verbüßte sie im Berliner Frauengefängnis Barnimstraße die Strafe von 1914. Am 10. Juli 1916 erneut verhaftet, wurde sie zunächst wieder in Berlin, dann in der Festung Wronke (Posen), später bis zur Revolution im Gefängnis Breslau festgehalten. In der »Schutzhaft« isoliert, verfaßte sie dennoch zahlreiche Artikel, die mit Unterstützung, vor allem von Mathilde Jacob, veröffentlicht wurden. Während der Haft setzte sie sich nach der Oktoberrevolution der Bolschewiki 1917 intensiv mit der Politik Lenins auseinander.
Ihre Schrift »Zur russischen Revolution« erschien (von Paul Levi herausgegeben) aber erst 1922. Darin bejahte Rosa Luxemburg zwar grundsätzlich die Revolution »von Lenin und Trotzki«, verwarf aber deren Praxis in entscheidenden Punkten (Diktatur, Terror, Bauernfrage), und aus der Kritik entwickelte sie ihre eigenen Vorstellungen eines demokratischen Kommunismus. So galt es für sie »anstelle der bürgerlichen Demokratie sozialistische Demokratie zu schaffen, nicht jegliche Demokratie abzuschaffen«, sie konstatierte, »ohne allgemeine Wahlen, ungehemmte Presse- und Versammlungsfreiheit, freien Meinungskampf erstirbt das Leben in jeder öffentlichen Institution«, und deshalb war es für sie eine »offenkundige, unbestreitbare Tatsache, daß ohne freie ungehemmte Presse, ohne ungehindertes Vereins- und Versammlungsleben gerade die Herrschaft breiter Volksmassen völlig undenkbar ist«.
Rosa Luxemburg stand in der Tradition von Marx und Engels, die von der »Explosivkraft« der »demokratischen Ideen« und dem der Menschheit angeborenen »Drang nach Freiheit« ausgingen. Ihre Kritik am Bolschewismus wurde das vielzitierte Axiom: »Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden.«
Durch die Novemberrevolution 1918 wurde Rosa Luxemburg aus dem Gefängnis befreit und ging wieder nach Berlin. Bei der Konstituierung des Spartakusbundes am 11. November in dessen Zentrale gewählt, gab sie zusammen mit Karl Liebknecht das Organ der Gruppe (und später der KPD) »Die Rote Fahne« heraus und war in Vorträgen und Publikationen für die radikale Linke aktiv. Vehement wandte sie sich gegen die sozialistische Regierung, den Rat der Volksbeauftragten, gegen die Nationalversammlung und trat für die Macht der Räte ein. Mit dieser Konzeption hatte sie – so eine bis heute verbreitete Ansicht – ihre einstige grundsätzlich-sozialdemokratische Haltung aufgegeben. Allerdings bewies auch ihre praktische Politik nach dem 9. November 1918, daß sie die Position eines »dritten Weges« zwischen Bolschewismus und traditioneller Sozialdemokratie trotz nun widersprüchlicher Thesen keinesfalls verworfen hatte. Am 14. Dezember 1918 druckte »Die Rote Fahne« das von Rosa Luxemburg verfaßte »Programm des Spartakusbundes«. Diesen Text hat dann der Gründungsparteitag der KPD Ende 1918 als Progamm der neuen Partei akzeptiert. Er war Signal eigenständiger programmatischer Ziele, die Rosa Luxemburg für den deutschen Kommunismus formulierte.
Die praktischen Aktionsvorstellungen waren scharf gegen die Sozialdemokratie (einschließlich der USPD) gerichtet, waren aber zugleich Abgrenzung vom damaligen russischen Bolschewismus. Letztlich gegen Lenin und Trotzki gerichtet, hieß es: »Die proletarische Revolution bedarf für ihre Ziele keines Terrors, sie haßt und verabscheut den Menschenmord. [..."> Der Spartakusbund wird nie anders die Regierungsgewalt übernehmen als durch klaren, unzweideutigen Willen der großen Mehrheit der proletarischen Massen in Deutschland.« Konträr zu diesen linkssozialistischen Überlegungen standen radikale Parolen, die den Widerspruch im Programm und in Rosa Luxemburg selbst belegen, etwa wenn es dort hieß, der »Gewalt der bürgerlichen Gegenrevolution muß die revolutionäre Gewalt des Proletariats entgegengestellt werden« oder wenn vom notwendigen »gewaltigsten Bürgerkrieg« die Rede war. Diese Taktik sollte in den zunehmend gewaltsamen Auseinandersetzungen innerhalb der Arbeiterbewegung im Dezember 1918 und Januar 1919 praktiziert werden, mit verheerenden Folgen.
Allerdings war Rosa Luxemburg, ebenso wie Jogiches, zunächst gegen die Schaffung einer eigenen Partei, hat dann aber dem Drängen von Liebknecht u. a. nachgegeben. Damit konnte die für den 30. Dezember 1918 in Berlin zusammengerufene Konferenz des Spartakusbundes zum Gründungsparteitag der KPD werden. Der Versuch, die neue Organisation Sozialistische Partei, nicht Kommunistische, zu nennen, um sich von den Bolschewiki abzugrenzen und an der Verbindung zu den Massen wenigstens symbolisch festzuhalten, schlug fehl. Sie trat vergebens für die Teilnahme an den Wahlen zur Nationalversammlung und gegen die Spaltung der Gewerkschaften ein und mußte feststellen: »Ihr wollt euch euren Radikalismus ein bißchen bequem und rasch machen.« Als Rosa Luxemburg nach der Diskussion zu ihrem Grundsatzreferat sogar auf ein Schlußwort verzichtete (»da sie körperlich unpäßlich ist«) wurde deutlich, daß sie ebenso wie Jogiches vom Ergebnis des Gründungsparteitages tief enttäuscht war.
Doch bereits im Januar überschlugen sich in Berlin die Ereignisse: Der Streit um die Absetzung Emil Eichhorns als USPD-Polizeipräsident löste den »Spartakusaufstand« aus; Liebknecht verkündete die »Absetzung« der Ebert-Regierung, wodurch der Kampf eskalierte, rasch waren die beiden Parteiführer Gejagte. Am 15. Januar haben Angehörige der Garde-Kavallerie-Schützendivision Rosa Luxemburg brutal ermordet. Erst im Juni wurde ihre entstellte Leiche im Landwehrkanal gefunden. Bei ihrer Beerdigung am 13.Juni 1919 in Berlin demonstrierten Hunderttausend Arbeiter, ihr Märtyrertod hatte sie schon damals zur Ikone gemacht.
Von allen deutschen Kommunisten erzielte Rosa Luxemburg die größte Wirkungsgeschichte. Sie war bereits in der Weimarer Republik innerhalb der KPD umstritten, wo sich rechte aber auch ultralinke Kommunisten auf ihre Theorie beriefen. Bald wurde sie intrumentalisiert: die Persönlichkeit der Revolutionärin gelobt, ihre Ermordung gebrandmarkt, aber ihre demokratischen Ideen als Abweichung von Lenin und Stalin als »Luxemburgismus« verdammt. Während der Stalinisierung der KPD in den zwanziger Jahren mußte sich die Partei von ihren Ideen und damit der eigenen Vergangenheit lossagen. Schon 1924 verstieg sich die damalige KPD-Führerin Ruth Fischer dazu, Thesen Rosa Luxemburgs als »Syphilisbazillen« zu diffamieren. Und nachdem Stalin 1931 Rosa Luxemburg in einem Atemzug mit Trotzki nannte und ihre Theorien als »halbmenschewistisch« verurteilte, war die Trennung der deutschen Kommunisten von der Begründerin ihrer Partei vollzogen. Der KPD-Vorsitzende Ernst Thälmann forderte 1932 den »schärfsten Kampf gegen die Überreste des Luxemburgismus«.
Diese Einstellung vertrat auch die SED. Ihre Person wurde als traditionelle »Leitfigur« von der Propaganda gefeiert, ihre Ermordung als Verlust beklagt, aber ihr Werk, vor allem die demokratischen Ideen, als »Luxemburgismus« verfemt. Rosa Luxemburg wurde an der Elle Lenins, zunächst vor allem Stalins und immer entsprechend der gerade gültigen Parteilinie gemessen und dafür entsprechend zurechtgestutzt.
Dieses Grundmuster der Stalinisten hatte schon ihr früher Biograph Paul Frölich 1939 enthüllt: »Von ihnen wurde das Andenken Rosa Luxemburgs geschmäht, ihre Gedanken entstellt und verlästert, ihr politisches Werk verfälscht, ihre Anhänger verfolgt.«
Doch es berufen sich seit Jahrzehnten die verschiedensten linken politischen Richtungen auf Rosa Luxemburg, ihre Nachwirkung ist bis heute bemerkenswert. Ihre Werke fanden weltweit Verbreitung (in Tokio erscheint z. B. derzeit die von Narihiko Ito herausgegebene umfangreichste Gesamtausgabe in japanisch), die Schriften über sie sind Legion.
Nach dem Ende des doktrinären Kommunismus neigte die Wissenschaft dazu, Rosa Luxemburg zu historisieren, das heißt, sie in ihre Zeit zu stellen, ihre Rolle für die Arbeiterbewegung zu objektivieren, ihre bleibenden Verdienste zu bewerten. Die Herausarbeitung ihrer Widersprüche ist dabei wohl eine notwendige Voraussetzung dieser Historisierung, nur so sind Heroisierung und Ideologisierung, erst recht jede Instrumentalisierung zu überwinden.

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Redaktionsschluss: Mai 2008. Eine kontinuierliche Aktualisierung der Biographien kann von den Herausgebern nicht gewährleistet werden. Soweit bekannt, werden Sterbedaten in regelmäßigen Abständen nachgetragen. Änderungs- und Korrekturwünsche werden von den Herausgebern des Handbuches geprüft und ggfl. eingearbeitet (Mail an herbst@gdw-berlin.de).
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