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Gerstner, Sibylle

(Ps. Sibylle Muthesius)
geb. Boden
* 17.8.1920
Kostümbildnerin, Malerin, Gründerin der Modezeitschrift »Sibylle«

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Breslau (Wrocław, Polen) in einer dt.-jüd. Familie; Vater Pelzwarenfabrikant u. Versandhändler (vermutl. im Zuchthaus Öls / Schles. gest.), Mutter Geschäftsfrau; 1926 – 36 Privatschule, Realgymn. in Breslau; ab 1936 Studium an der Textil- u. Modeschule in Berlin, dann Studium der Malerei u. Illustration an der Berliner Kunstakad., Abbruch wg. der NS-Rassegesetzgebung, zeitw. Fortsetzung des Malerei-Studiums an der Kunstgewerbeschule Wien; 1939 / 40 Bekanntschaft mit ihrem späteren Mann  Karl-Heinz Gerstner (verh. seit 1945); durch dessen Vermittl. im Herbst 1940 illegal nach Paris; Fortsetzung der Malerei-Studien an der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts, dort 1942 zwei Hochschul-Kunstpreise, daneben Arbeit als Modejournalistin; Sommer 1944 Rückkehr nach Berlin; illeg. polit. Arbeit mit K.-H. Gerstner in Berlin-Wilmersdorf.
1945 Lehrerin an einer priv. Modeschule in Berlin-Wilmersdorf; ab 1949 als freischaff. Kostümbildnerin u. Malerin (als Sibylle Boden) in Zeuthen (b. Berlin), ab 1953 in Kleinmachnow; erwirkt 1946 durch Vermittl. von entlastenden Dokumenten der Résistance die Entlassung ihres Mannes aus dem sowj. »Speziallager« Berlin-Hohenschönhausen; 1949 Geburt der Tochter  Daniela G. (Dahn); 1952 Tochter Sonja G.; als Kostümbildnerin u. a. Zusammenarbeit mit  Wolfgang Staudte; ab 1951 festangest. Kostümbildnerin bei der DEFA, u. a. für  Slatan Dudows »Frauenschicksale« (1952),  Gustav von Wangenheims »Gefährl. Fracht« (1954); Juli 1956 Gründerin u. künstl. Ltr. der Kunst- u. Modeztschr. »Sibylle«, dort 1958 – 61 stellv. Chefred., verließ die Red. nach Kritik ihrer internat. ausgerichteten Modekonzeption als »zu französisch«; anschl. freischaff. Kostümbildnerin für die DEFA u. den DFF, Zusammenarbeit mit dem Reg. Hans-Joachim Kasprzik, u. a. »Wolf unter Wölfen« (1963), »Kleiner Mann, was nun?« (1967), »Die Brüder Lautensack« (1973), »Abschied vom Frieden« (1979); daneben auch freischaff. Dolmetscherin (französ., engl.); ihr 1981 publiziertes Buch »Flucht in die Wolken« über die psych. Erkrankung ihrer hochbegabten Tochter Sonja (Freitod 1971) avancierte durch die krit. Spiegelung der therapeut. Praxis, die sensible Darstellung psych. Krankheit u. den Tabubruch, Theorien von S. Freud u. C. G. Jung zur Interpretation psych. Krankheiten zu nutzen, in der DDR schnell zum Erfolgsbuch (Übers. in acht Sprachen, bundesdt. Ausg. 1982, Dramatisierung 1991, Filmdrehbuch).
Seit 1990 mehrere Ausstellungen in Dtl. u. Frankreich; lebt in Kleinmachnow (b. Berlin).

Sek.-Lit.: Jäger, H.: Es war die Hölle. Aber ich bewegte etwas. In: Potsdamer Neueste Nachrichten, 28.3.1998; Zylka, J.: Den Genossen war sie zu französisch. S. G. hatte viele Berufe – nun hat sie außerdem noch eine Ausstellung. In: taz, 17.4.1998; Bronnen, B.: Sibylle u. das Paradies. In: Süddt. Ztg., 16. / 17.10.1999; Kuhn, N.: »Erzähl mir, Sibylle, erzähl ...« Eine sozialist. Frauenztschr. mit internationalem Flair. In: Barck, S., Langermann, M., Lokatis, S. (Hrsg.): Zwischen »Mosaik« u. »Einheit«. Zeitschriften in der DDR. Berlin 1999; Gerstner, K.-H.: Sachlich, kritisch, optimistisch. Berlin 1999.
BRB

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