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Goldstein, Kurt Julius

* 3.11.1914, † 24.9.2007
Intendant des Senders Stimme der DDR

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Scharnhorst (b. Dortmund) in einer dt.-jüd. Fam.; Vater Kaufhausbesitzer (1919 verst.), Mutter Kauffrau; Volksschule; 1922 Umzug nach Hamm; ab 1926 Mitgl. im Dt.-jüd. Wanderbund Kameraden; 1928 Mitgl. der SAJ, dann des KJVD; Nov. 1930 Mitgl. der KPD u. Pol.-Ltr. des KJVD Hamm (»Kurt Berger«), aus pol. Gründen Schulwechsel; Oberrealschule in Münster, dort 1932 Abitur; Apr. 1933 verhaftet, geflohen, Mai 1933 Emigr. zu Verwandten nach Luxemburg, dann nach Frankreich; dort im KP-Auftrag Mitgl. der zionist. Org. Hechaluz, landw. Ausbildung in einem Hachschara-Lager in Luxemburg; 1935 kurze Zeit in der Schweiz, Mai 1935 Auswanderung nach Palästina, dort Bauarb. in der Nähe von Haifa; Nov. 1936 nach Spanien; 1936 – 39 Interbrigadist, Ltn. des 1. Transportregt. der Internat. Brigaden, Pol. Kommissar (»Julio«), verantw. für die PO der Artilleriegr. »Anna Pauker« der 35. Div., 1938 Verwundung; 1938 KP Spaniens; Anf. 1939 Teiln. an der zweiten Mobilisierung, Kompanieführer der XI. Internat. Brigade; Febr. 1939 Rückzug über die Pyrenäen nach Frankreich; dort interniert; Okt. 1939 Verhaftung als vermeintl. dt. Spion u. Überführung in das Straflager Le Vernet, Aug. 1942 Auslieferung an Dtl. (zus. mit einer Gruppe jüd. Kommunisten, u. a.  Hermann Axen), 1942 – 45 KZ Auschwitz, Nebenlager Jawischowitz; Arbeit im Bergbau, hier Kapo, Mitgl. der Widerstandsbew. u. Teiln. an Sabotageaktionen; Jan. 1945 »Todesmarsch« zum KZ Buchenwald, dort im Apr. beteiligt am Häftlingsaufstand.
1945/46 KPD/SED; 1945 Reorg. der KPD in Thür. u. Aufbau der FDJ, Vors. des Landesjugendaussch.; Jugendsekr. der KPD in Thür.; 1945 – 49 als Funktionär der KPD u. der FDJ häufig in Org.-Fragen nach NRW delegiert; 1946 Rückkehr nach Dortmund; 1947 – 49 3. Sekr. (Agit.-Prop.) der KPD-BL Ruhr-Westf.; 1949/50 KPD-Vors. Essen; 1950 Ltr. des FDJ-Zentralbüros in Essen (1. Sekr. der FDJ im Westen); Okt. 1951 Übersiedl. in die DDR; 1950/51 PHS in Kleinmachnow; danach pol. Mitarb. der Westabt. des ZK der SED, später Ltr. der Abt. Gewerkschaftsarb. innerhalb der Westabt. des ZK bzw. der späteren Abt. Arbeitsbüro des ZK der SED (zuständig für Westarbeit u. Anleitung der KPD); wegen Dekonspiration eines Verbindungsmanns der Westabt. 1956 aus dem ZK-Apparat ausgeschieden; ab 1956 Red. beim Freiheitssender 904; 1957 – 61 Abt.-Ltr., 1961 – 67 stellv. Chefred. bzw. Chefred. des Dtl.-Senders in Berlin (Ost), 1969 – 71 Intendant des Senders (Nachf. von  Kurt Ehrich); 1971 – 78 Intendant des Senders Stimme der DDR; Mitgl. des Staatl. Rundfunkkomitees beim Min.-Rat der DDR; ab 1976 Vizepräs. des Internat. Auschwitzkomitees; 1978 Rentner; 1980 Mitgl. des Präs. des Internat. Auschwitzkomitees; 1981 Vors. des Auschwitzkomitees; 1978 – 90 Mitgl. des Präs. der ZL des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer der DDR; 1982 – 91 Sekr. der FIR in Wien.
Mitgl. der PDS; 1990 Vors. des IVVdN; 1994 Ehrenvors. des IVVdN; 1970 u. 1974 VVO; 1979 Ehrenmedaille des sowj. Komitees der Kriegsveteranen; 1984 KMO; 1996 Ehrenbürger Spaniens; 2001 Mitgl. der »Kämpfer u. Freunde der Span. Republik 1936 – 1939« e.V.; 2005 Bundesverdienstkreuz; gest. in Berlin.

Publ.: Die Reichen sollen zahlen! Was erwarten Sie vom Lastenausgleich. Frankfurt (Main) 1948; Wir sind die letzten – fragt uns – K. G. – Spanienkämpfer, Auschwitz- u. Buchenwaldhäftling. Reden u. Schriften. Hrsg. von F.-M. Balzer. Bonn 1999.
Sek.-Lit.: Interview mit Kurt Goldstein. In: Herzberg, W.: Überleben heißt Erinnern. Lebensgeschichten dt. Juden. Berlin, Weimar 1990; Brand, M.: Geachtete – geächtet. Aus dem Leben Hammer Juden in diesem Jahrhundert. Hamm 1991; Strobl, I.: Vorwärts u. nicht vergessen. K. J. G. Köln 1994; Schuder, R., Hirsch, R.: Nummer 58866. Judenkönig. Biogr. Berlin 1996.
KaH; BRB

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