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Haid, Bruno (eigtl.: Arnim Haid)

(Ps. E. Burger)
* 2.2.1912, † 17.6.1993
Stellv. Generalstaatsanwalt, Stellv. Minister für Kultur

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Berlin in einer dt.-jüd. Fam.; Vater Schneidermeister (1942 im KZ ermordet), Mutter Fabrikarbeiterin; 1918 – 22 Volksschule, 1922 – 31 Realgymnasium; 1928 – 30 SAJ u. 1929 Jungsoz.; 1930 SPD; 1931 KPD, RH; 1931 – 33 Studium der Rechtswiss. an der Berliner Friedrich-Wilhelm-Univ.; 1932 Vors. der »Roten Studenten« in Berlin u. Mitgl. der Reichsltg. des Verb. Freisozialist. Studenten; Jan. 1933 Mitarb. des KPD-Nachrichtendienstes (»Bruno«); Herbst 1933 Emigr. nach Frankreich; 1934 von  Wilhelm Koenen mit der Anti-Nazi-Arbeit im Weltstudentenkomitee gegen Krieg u. Fasch. beauftragt; 1935 – 38 Mitarb. im Sekr. der KPD-Auslandsltg. in Paris sowie Mitte 1936 – Mitte 1937 Mitarb. bzw. Ltr. der Nachrichtenstelle Paris (»Conrad«) des KPD-Nachrichtendienstes; ab 1937 Aufträge für die NKWD-Auslandsaufklärung INO; 1938 Wiederaufn. des jur. Studiums in Paris u. Straßburg; 1939 Internierung durch die frz. Behörden in versch. Lagern, 1940 Flucht vor dt. Truppen aus einem Lager in Nantes; dann Gelegenheitsarb. in der unbesetzten Zone Frankreichs; 1940/41 Forts. des Studiums, jurist. Staatsexamen in Limoges; Sept. 1941 erneute Internierung, Flucht vor drohender Deportation nach Dtl., Zuflucht im Rhône-Tal; 1942 – 44 KPF; 1942 – 44 Kämpfer der Résistance; Mai 1944 nach Denunziation bei franz. Behörden Abbruch des Kontakts zur Résistance; Okt. 1944 Mitgl. des Komitees »Freies Dtl.« in Lyon, dort 1944/45 im KPD-Auftrag Jurist für Emigrationsangelegenheiten.
Herbst 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1945/46 Mitarb. der Kaderabtl. beim ZK der KPD, 1946/47 der Personalabt. (Referat Schiedsgerichte bzw. »Abwehr«) beim PV der SED; 1947 Lehrgang für Kaderfunktionäre an der SED-PHS; ab 1947 zus. mit  Paul Laufer in der Personalpolit. Abtg. beim PV der SED, Ltr. des Referats Abwehr (»Untersuchungen u. Schiedsgerichte«); 1948 – 52 Ltr. des geheimen Abwehrapparats der SED mit der Aufgabe, das »Eindringen feindl. Elemente« in die Partei zu verhindern, zugl. zuständig für Spionageabwehr u. Gegenspionage; Sept. 1951 Mitbegr. des Inst. für Wirtschaftswiss. Forsch. (IWF, Vorläufer der HV A), 1952/53 Ltr. der Schule des IWF; 1953 – 54 Oberrichter u. stellv. Dir. des Bez.-Gerichts Chemnitz bzw. Karl-Marx-Stadt u. Bez.-Staatsanwalt; 1954 stellv. HA-Ltr. bei der Obersten Staatsanwaltschaft, 1955 – 58 stellv. Gen.-Staatsanwalt; 1955 VVO; 1956 Mitgl. der Kommission des ZK der SED zur Überprüfung von Angelegenh. von Parteimitgl. u. ehem. Parteimitgl.; im Zusammenhang mit den Prozessen gegen  Wolfgang Harich,  Walter Janka u. a. u. der Forderung nach Entschädigung für Hans-H. Schrecker auf Beschluß der ZPKK vom 17.3. 1958 gerügt sowie auf Beschluß des PB des ZK der SED vom 1.4.1958 seiner Funktion als stellv. Gen.-Staatsanwalt enthoben, »da er den notwendigen Kampf gegen Feinde der DDR vernachlässigt hat« (10.2.1990 von der SED-PDS rehabil.); April 1958/59 Justitiar bei der VVB Werkzeugmaschinenbau Karl-Marx-Stadt, 15.4.1959/60 Justitiar im VEB »Hermann Schlimme« Berlin, Ltr. der Rechts- u. Vertragsstelle; 1.3.1960 Sektorltr. Gesellschaftswiss. u. ab 1.9.1960 – 63 Ltr. der Abt. für Lit. u. Verlagswesen im Min. für Kultur; 31.1.1962 Löschung der Parteistrafe durch Beschluß der ZPKK; auf Beschluß des Sekr. des ZK der SED 30.1.1963 – 13.3.1973 Ltr. der HV Verlage u. Buchhandel u. 1965 – 73 stellv. Min. für Kultur; 1969 Banner der Arbeit; mit Gründung 1970 Präs. des Kuratoriums für sozialhist. Kinderlit. u. des DDR-Zentrums für Kinderlit.; Mitgl. des Heinrich-Mann-Komitees in der DDR; 1973 Rentner; ab Febr. 1973 ehrenamtl. Vertreter im Copyright-Büro der UNESCO; 1977 VVO; 1990 PDS; gest. in Berlin.

Publ.: (E. Burger): Einige Lehren aus dem Rajk-Prozeß. In: Neues Dtl., 19.11.1949; Einige aktuelle Probleme der staatsanwaltl. Arbeit. In: Neue Justiz (1957) 24; Bücher für alle. Leipzig 1977 (Hrsg.)
Sek.-Lit.: Kubina, M.: Was in dem einen Teil verwirklicht werden kann mit Hilfe der Roten Armee, wird im anderen Teil Kampffrage sein. In: Wilke, M. (Hrsg.): Die Anatomie der Parteizentrale. Berlin 1998; Amos, H.: Politik u. Org. der SED-Zentrale 1949 – 1963. Münster 2003; Mohnhaupt, H., Mollnau, K. A. (Hrsg.): Normdurchsetzung in osteurop. Nachkriegsgesellschaften. Bd. 5.2. Frankfurt (Main) 2004; Müller-Enbergs, H.: Markus Wolf u. die Ablösung des B. H. als Leiter der DDR-Nachrichtendienstschule 1952. In: Jb. für Hist. Kommunismusforsch. 2006.
BRB; WiO

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Redaktionsschluss: Oktober 2009. Eine kontinuierliche Aktualisierung der Biographien kann von den Herausgebern nicht gewährleistet werden. Soweit bekannt, werden Sterbedaten in regelmäßigen Abständen nachgetragen. Änderungs- und Korrekturwünsche werden von den Herausgebern des Handbuches geprüft und ggfl. eingearbeitet.
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